Stoppe bei Vollbremsung

  • #1

    Hey zusammen

    Ich weiss das es bereits so einen Beitrag gibt, jedoch hat mir dieser nicht wirklich weiter geholfen.


    Ich habe bei meiner RN29 ein Problem bei der Vollbremsung. Wenn ich voll in die eisen gehe kommt mein Hinterrad hoch, bevor mein ABS eingreift. Der Vorderreifen rutscht nicht. (Video im Anhang). Hat jemand Erfahrungen damit? Folgendes habe ich bereits probiert:

    -ganz nach hinten sitzen

    -zuerst hinten dann vorne bremsen

    -Bremsdruck progressiv erhöhen


    Ab und zu geht es ohne Probleme (Szenario bei 50Km/h Vollbremsung also ruckartig alles geben)


    Wäre froh im tipps, da bald die praktische Fahrprüfung ansteht.


    Liebe Grüsse

    Nevio


    Da ich kein MP4 hochladen kann, hier ein Link zum Video (ist 7 Tage gültig, falls es nicht geht bitte melden) https://we.tl/t-b6aZF5xizWpmYmpY

  • Rudolf

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • #2

    Dem Phänomen wirst Du nur mit Übung beikommen können.

    Das reine ABS bekommt sein Signal nur von den Rädern und solange die in der Drehbewegung sind macht es garnix...

    Bei neueren Möpis wird das zusätzlich noch von einem Gyro, also einer Lageerkennung unterstützt, aber auch diese Lageveränderung muss erst einmal statt finden bevor der Sensor reagieren kann...

    Ein wesentlicher Teil des "fahren Könnens" liegt auch darin ein Gespür dafür zu entwickeln wie viel Druck man auf die Bremsen geben darf bevor es zu solchen Reaktionen kommt, die ja rein physikalisch logisch sind.

    Ein kurzer Stoppi bei einer Vollbremsung ist ja völlig OK wenn man ihn zu kontrollieren gelernt hat und die Bremse nur soweit wieder lösst, dass das Hinterrad wieder abgesetzt wird. Das sowas bei einem Alltagsfahrer oder gar Anfänger nicht so elegant ausschaut wie in der MotoGP, wo fast in jede Kurve mit fliegendem Hinterrad hinein gebremst wird, sollte jedem klar sein...

    Kunst kommt von können - und kein Fahrprüfer wird es Dir krumm nehmen wenn Du beim Anbremsen etwas überziehst, solange er sieht, dass Deine Reaktion darauf schnell und richtig erfolgt...

    DLzG vom Merlin


    Ps. Aufgrund meiner generellen Lebenseinstellung sehe ich nicht die geringste Veranlassung, mich altersadäquat zu verhalten :handgestures-thumbup:

  • #3

    Ganz normal bei einer Vollbremsung. Übung macht den Meister.

    Bin damals (2014) bei der Fahrprüfunf ebenfalls mit einem längeren Stoppie bei der Vollbremsunf aufgefallen.

    Sieh es mal so. Du machst etwas, was die meisten sich nicht mal trauen. Voll in die Eisen gehen.

  • #4

    Hi,


    ABS = Antiblockiersystem. Das schützt nicht vor einem Überschlag, sondern in erster Linie davor, dass die Räder beim Bremsen blockieren. Meine Yamaha MT-09 macht beim TÜV-Prüfer auf dem Hof auch einen Stoppie, ebenso bei sehr hartem Anbremsen vor Kurven. Beides passiert, ohne dass das ABS eingreifen muss. Das ist auch logisch und zeigt, dass das Vorderrad in dem Moment ausreichend Grip hat, obwohl fast die gesamte Last auf dem Vorderrad liegt.


    Das ABS-Steuergerät wertet über die ABS-Ringe beziehungsweise Raddrehzahlsensoren die Drehzahlen der Räder aus und berechnet daraus unter anderem den Schlupf. Dabei geht es nicht einfach nur darum, ob das Vorderrad langsamer dreht als das Hinterrad, denn das ist beim Bremsen normal. Kritisch wird es erst, wenn ein Rad zu stark verzögert oder kurz vor dem Blockieren steht. Dann regelt das ABS den Bremsdruck über Magnetventile im Hydraulikblock. Dadurch entsteht das typische Pulsieren am Bremshebel und das Rad blockiert nicht vollständig, sondern bleibt rollfähig.

    Sobald jedoch Schräglage dazukommt, kann man mit einem einfachen ABS trotzdem stürzen. Solche älteren Systeme kennen die Schräglage des Motorrads nicht und regeln nur anhand der Raddrehzahlen. In Kurven steht aber nur ein Teil des verfügbaren Grips zum Bremsen zur Verfügung, weil der Reifen gleichzeitig Seitenführungskräfte übertragen muss. Deshalb kann ein normales ABS dort zu grob oder zu spät reagieren.


    Moderne Systeme mit Schräglagensensorik beziehungsweise IMU arbeiten deutlich komplexer. Sie messen zusätzlich Schräglage, Nickbewegung, Gierrate und Beschleunigungen des Motorrads. Dadurch kann das System den Bremsdruck viel genauer an die aktuelle Fahrsituation anpassen. Der maximal mögliche Bremsdruck ist dabei nie ein fixer Wert, sondern hängt ständig von Faktoren wie Asphalt, Reifen, Temperatur, Schräglage und verfügbarem Grip ab. Je mehr Grip vorhanden ist, desto mehr Bremskraft kann übertragen werden, ohne dass das Motorrad instabil wird oder wegrutscht.

    Viele moderne Kurven-ABS-Systeme besitzen zusätzlich eine Hinterrad-Abhebeerkennung. Dadurch kann ein Stoppie teilweise reduziert oder verhindert werden, indem das System vorne früher Bremsdruck zurücknimmt.


    Wenn du viel Bremsleistung übertragen willst, brauchst du viel Gewicht auf dem Vorderrad. Wenn du hastig die Bremse vorne zuziehst, ist sie noch nicht ein die gabel eingetaucht und das Rad blockiert schnell. Steigerst du den Bremsdruck, hat das Motorrad zeit einzufedern und es entsteht mehr Gewichtsverlagerung auf dem Vorderreifen. Dadurch regelt das ABS viel später oder gar nicht und du kannst eine gute Bremsung hinlegen. Setzt du dich nun aufrecht hin und rutschst nach vorne an den Tank, verlagert sich der Schwerpunkt nach oben und nach vorne, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dein hinterrad sich anhebt.


    Fakt ist, sobald das ABS regelt, wird der Bremsweg länger, wie als würdest du genau am Limit bremsen. Deswegen ist es eigentlich das Ziel nur so hart zu bremsen, dass es gerade so nicht regeln muss. Gute/ neue ABS Systeme regeln erst sehr spät und sehr fein, im Regen bei wenig Grip sollte es aber früher regeln.


    Gruß

  • #5

    Vor drei Wochen war ich mit meiner RN57 beim Sicherheits Fahrtraining. Vollbremsung aus 70 km/h das ABS Regelt und das Hinterrad kam kaum vom Boden weg. Da gibts kein Stoppi. ;)

    " Glück kann man nicht kaufen. Aber ein Motorrad und das ist verdammt nah dran."


  • #6

    das hängt immer auch davon ab wie das Fahrwerk eingestellt ist, wie gut das Gripniveau des Untergrundes ist und welchen Reifen Du drauf hast.

    Klar, die Tracer RN57 hat eine ganz andere Fahrweksgeometrie als eine normale MT. Die Schwinge ist 60mm und der Nachlauf 8mm länger. Dazu kommt noch, dass der Schwerpunkt dem entsprechend weiter nach hinten gewandert ist... - und trotzdem hab ich es mit dem S21 wie auch mit dem Angel GT2 schon häufiger geschafft das Heck ordentlich zu lupfen...

    DLzG vom Merlin


    Ps. Aufgrund meiner generellen Lebenseinstellung sehe ich nicht die geringste Veranlassung, mich altersadäquat zu verhalten :handgestures-thumbup:

  • #7

    Machst du die Prüfung echt auf einer ollen RN29 oder übst du nur damit privat?

    Kann mir fast nicht vorstellen, dass Fahrschulen mit so einem Gestühl unterrichten.


    Bei meiner Prüfung wollte der Prüfer sehen, dass das Hinterrad einen schwarzen Strich unter das Herbstlaub zaubert.

    Wg. Krach fahr ich aus der Haut: loud is out!

    -Not all you do, is only your own Ding. :happy-sunny:

  • #8

    Also wenn der Reifen warm ist und die Fahrbahn griffig, war das bei der RN57 kein Problem das Hinterrad bei Vollbremsung (Fahrtechnikkurs) in die Luft zu bekommen. Auch die hat keine 6-Achsen CMU und hat keine Elektronik die das verhindert. Wenn da am Vorderrad Schlupf entsteht un das ABS regelt, hebt sich auch das Hinterrad nicht.

  • Hey,

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