Einmaliger Aussetzer, danach starke Vibrationen (Hinterrad/Fußrasten) bei Tracer 9 GT+ – Eingegrenzt auf den Motor

  • #1

    Hallo zusammen,

    ich brauche mal das Schwarmwissen der CP3-Experten. Ich fahre eine Tracer 9 GT+ (Baujahr 2024) mit aktuell 17.300 km und habe nach einem Vorfall ein sehr merkwürdiges Vibrationsproblem, das ich durch Testen aber schon recht genau eingrenzen konnte.

    Der Vorfall: Vor Kurzem hatte ich ein einmaliges Ereignis: Der Motor nahm das Gas plötzlich nur noch extrem ruckartig und widerwillig an (heftige Aussetzer). Nach kurzem Stillstand und einmaligem Hochdrehen im Leerlauf war dieses akute Ruckeln schlagartig weg und kam als Aussetzer bisher auch nicht wieder.

    Die aktuellen Symptome & was ich getestet habe: Seit diesem Moment habe ich sehr unangenehme, raue Vibrationen im Bereich des Hinterrads und vor allem in den Fußrasten, die vorher definitiv nicht da waren. Gleichzeitig hat die Maschine plötzlich angefangen.


    Um das Problem einzugrenzen, habe ich während der Fahrt Folgendes getestet:

    1. Auskuppeln und Rollen lassen: Wenn ich bei der Fahrt die Kupplung ziehe und die Maschine im Standgas rollt, sind die Vibrationen schlagartig komplett weg. (Fahrwerk, Kette, Reifen und Radlager hinten sind also in Ordnung).
    2. Hochdrehen mit gezogener Kupplung: Wenn ich die Kupplung gezogen halte (während des Rollens) und den Motor per Gasgriff auf Drehzahl bringe, kommen die Vibrationen sofort wieder.

    Die Vibrationen sind also absolut drehzahlabhängig und kommen direkt aus dem Motor/Kurbeltrieb, nicht vom Umdrehen der Räder oder dem Antriebsstrang.

    Meine Vermutung: Es fühlt sich an, als ob seit dem Aussetzer ein Zylinder nicht mehr sauber/synchron mitläuft (z.B. durch eine verölte oder beschädigte Zündkerze), was bei Drehzahl diese heftige Unwucht erzeugt. Auch der Klassiker mit dem geknickten Kurbelgehäuseentlüftungsschlauch (Überdruck drückt Öl in die Airbox → Kerze verrußt) steht im Raum.


    Die Maschine geht bald in die Werkstatt (Garantiefall wird geprüft, da Baujahr 2024).

    Was meint ihr zu diesem spezifischen Testverhalten? Hatte das schon mal jemand beim CP3, dass er ausgekuppelt im Standgas seidenweich rollt, aber sobald Drehzahl draufkommt, die Rasten extrem vibrieren?

    Danke für eure Hilfe!


    Viele Grüße, Knoepfchen

  • #2

    Ist bei dir der Drosselklappensensor schon getauscht worden?


    Ich musste leider etwas länger warten bis Ersatzteile da waren und daher hatte ich ein sehr ähnliches Verhalten. Es scheint das die Elektronik dann einfach nicht mehr wie die Sensorig arbeitet. Es hatte den Anschein, als würde sie von Geschlossener Klappe ausgehen, während sie bereits 30% offen ist(beispielsweise). Gibt man dann gas, öffnet sie noch weiter, spritzt aber zuwenig Sprit ein, es kommt zu Zündaussetzern.


    Wie du sagtest, Auskuppeln, leerlauf, einmal Vollgas aufdrehen ganz kurz, so das alles auf Maximum fährt und dann hat es wieder funktioniert. Der Effekt wurde nach und nach häufiger, seit Drosselklappenrtausch isses weg. Nicht mehr gekommen.


    Werkstatt dürfte also darüber bescheid wissen. Und was die Vibrationen angeht danach. Möglicherweise haben diese unnatürlichen Lastwechsel im Kupplungskorb Macken hinterlassen. Das kann im laufe der Zeit sowieso zu Vibrationen führen, dann ist früher oder später ein Tausch nötig. Hier gibt es genaue Verschleissangaben, wie stark es eingelaufen sein darf. Durch solche Fehler könnte der Korb etwas früher am Ende sein. Meine hat seit 22 nun 35.000 drauf, viel mit Sozius unter hoher Last. Die Vibrationen haben zugenommen, was ich dem Kupplungskorb zuschreibe. Denk dran: du hast bei 6000U/min ca 34 Zündungen pro Sekunde, die nach jeder Zündung durch einen Kompressionsvorgang eines anderen Zylinder im Kupplungskorb hin und her poltern. zuerst drück der Zündzylinder nach vorne, dann wird der Kompressionszylinder geschoben vom Korb. Sobald im Korb also Spiel ist fängt es an etwas zu vibrieren. Nach und nach wird das mehr.


    Das haben alles Fahrzeuge und bei Alu bleibt Verschleiss nicht aus. Auch bei Stahl würde es verschleissen, nur langsamer. Deswegen sind da noch Federelemente die einen Teil des Drucks abfangen und aus einem 100microsekunden Impuls dann einen 1millisekunden Impuls machen der nur noch 1/10 an Kraft hat und aufs Alu drückt.


    Soweit zur Theorie: die Praxis wird bei dir sein: lass die Werkstatt das ganz genau untersuchen. Normalerweise ist Yamaha da ziemlich gut drauf wenns um Garantie geht. Hab nach 3 Jahren meine Bremsschaltereinheit am rechten Griff incl Fehlersuche von über 2std bezahlt bekommen. 2 Jahre Garantie, war Kulanz. Hat verhindert das der Cruise Mode eingeschaltet werden konnte. Kein Tempomat gehabt. Zündung aus/an, ging wieder ne Weile. Aber zum Schluss alle 10-20km ausgestiegen.

  • #3

    erstmal ein riesiges Dankeschön für diese extrem ausführliche und technisch fundierte Erklärung! Das macht absolut Sinn, was du da schreibst, und deckt sich verdammt gut mit meinen Beobachtungen.



    Besonders deine Theorie zum Kupplungskorb und den harten Lastwechseln während der Aussetzer leuchtet mir total ein. Das würde genau erklären, warum das Ganze so extrem drehzahlabhängig ist. Ich muss allerdings sagen: Die Vibrationen sind aktuell leider schon echt hart unangenehm in den Rasten und im Heck – so möchte man definitiv nicht dauerhaft fahren. Ich hoffe sehr, dass die Werkstatt da beim Prüfen des Korbs und der Verschleißmaße direkt fündig wird.


    Deinen Hinweis mit dem Drosselklappensensor (TPS) nehme ich auf jeden Fall mit auf den Zettel für die Werkstatt. Die Maschine hat ja noch volle Garantie (Baujahr 2024), da sollen die das direkt auf Herz und Nieren prüfen und die Live-Daten auslesen.

    Nochmal danke für deinen genialen Input, das hilft mir für das Gespräch mit dem Meister enorm weiter! Ich halte euch auf dem Laufenden, was beim Termin rausgekommen ist.

  • #4

    Nicht dass ich wüsste, ich habe sie erst seit einem Jahr. Die Drosselklappen-Thematik (die Rückrufe) war vor meiner Auslieferung.“

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