Beiträge von merlin63

    moin in die Runde...

    das Vorangegangenen hat ganz sicher alles seine Richtigkeit und die Technik der Fahrzeugkontrolle ähnlich eines Reiters ist etwas was man üben sollte bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist.

    Im Oberkörper locker zu bleiben ist Grundvoraussetzung dafür durch das Fahrwerk hindurch die Straße "lesen" zu können und entsprechend fein darauf zu reagieren...- alles richtig! - Aber....!

    Nachdem ich inzwischen auch zwei Jahre lang, sprich ca. 35 Tkm auf einer Tuareg 660 unterwegs war habe ich diese sehr entspannte, aufrechte Sitzposition einer Reiseenduro lieben gelernt...

    Seit letztem Jahr ist es aus anderen Gründen, nicht zuletzt auch weil 17/17"Fahrwerk und die Leistung des kleinen Trippel mir mehr liegen, nun doch wieder eine Tracer RN57 geworden...

    Neben diversen anderen Modifikationen in Richtung leichtes Naked ist aber auch die eingangs angefragte Lenkererhöhung mit einstellbarem Versatz von Fa.Voigt montiert und ermöglicht mir genau diese Art des chilligen Tourens wie auf der Tuareg... - Das Teil ist für mich der absolute Bringer, ist vom Preis her moderat, perfekt verarbeitet und... und - es ist etwas worauf ich nicht mehr verzichten möchte...

    Btw. selbst das enduromäßige " Stehend Fahren" um sich auf langen Touren mal kurz zu entspannen oder einen Schotter-/Kopfsteinabschnitt hinter sich zu bringen geht damit hervorragend...

    das hängt immer auch davon ab wie das Fahrwerk eingestellt ist, wie gut das Gripniveau des Untergrundes ist und welchen Reifen Du drauf hast.

    Klar, die Tracer RN57 hat eine ganz andere Fahrweksgeometrie als eine normale MT. Die Schwinge ist 60mm und der Nachlauf 8mm länger. Dazu kommt noch, dass der Schwerpunkt dem entsprechend weiter nach hinten gewandert ist... - und trotzdem hab ich es mit dem S21 wie auch mit dem Angel GT2 schon häufiger geschafft das Heck ordentlich zu lupfen...

    Genau darum ging es ja... "Starthilfe" sprich Hilfe zur Selbsthilfe!

    Bei mir ist noch niemand wieder von dannen gezogen ohne deutlich mehr über sein Fahrwerk zu wissen als vorher...

    Dem Phänomen wirst Du nur mit Übung beikommen können.

    Das reine ABS bekommt sein Signal nur von den Rädern und solange die in der Drehbewegung sind macht es garnix...

    Bei neueren Möpis wird das zusätzlich noch von einem Gyro, also einer Lageerkennung unterstützt, aber auch diese Lageveränderung muss erst einmal statt finden bevor der Sensor reagieren kann...

    Ein wesentlicher Teil des "fahren Könnens" liegt auch darin ein Gespür dafür zu entwickeln wie viel Druck man auf die Bremsen geben darf bevor es zu solchen Reaktionen kommt, die ja rein physikalisch logisch sind.

    Ein kurzer Stoppi bei einer Vollbremsung ist ja völlig OK wenn man ihn zu kontrollieren gelernt hat und die Bremse nur soweit wieder lösst, dass das Hinterrad wieder abgesetzt wird. Das sowas bei einem Alltagsfahrer oder gar Anfänger nicht so elegant ausschaut wie in der MotoGP, wo fast in jede Kurve mit fliegendem Hinterrad hinein gebremst wird, sollte jedem klar sein...

    Kunst kommt von können - und kein Fahrprüfer wird es Dir krumm nehmen wenn Du beim Anbremsen etwas überziehst, solange er sieht, dass Deine Reaktion darauf schnell und richtig erfolgt...

    Da bist Du ja permanent mit "Holzreifen" unterwegs...🙈

    Geh mal vorn auf 2,4 und hinten auf max 2,8 bar runter und lass Deine Reifen arbeiten...

    Was Die Fahrwerkseinstellungen anbelangt solltest Du unbedingt noch mal tätig werden. Hier sind einige unterwegs die da schon recht fit sind und vielleicht ist ja einer in Deiner Nähe und kann ein wenig "Starthilfe" geben.

    Die Serienfahrwerke sind üblicher Weise auf ca. 80kg Fahrergewicht ausgelegt und voreingestellt.

    Mit Deinen 120kg bist Du da also deutlich "out of range"

    So Pie mal Auge geschätzt brauchst Du vorn wie hinten eine ca. 5 mm höhere Federvorspannung und analog dazu etwa 1-2 klicks mehr Zugstufendämpfung.

    In Summe dürfte das dazu führen, dass sich das Fahrwerk satter anfühlt und sich handlicher und agiler um die Ecken zirkeln lässt.

    Wenn Du magst ließ Dich mal ein bisschen ein:

    Anleitung Fahrwerkseinstellung.pdf

    das betrifft generell alle Motoren mit höherer Leistung schon seit der Generation E4.

    Nennt sich "gangselektive Drosselung" und soll zum Einen die Sicherheit in den unteren Gängen erhöhen indem die anliegende Leistung kontrollierbarer gehalten wird und zum Anderen in den oberen Gängen die Vmax zu begrenzen.

    Last Not least geht es wie immer natürlich auch noch um eine Reduktion der Emissionswerte für die Typenzulassung...

    Wer dem beikommen will muss schon sehr tief ins Motormanagement einsteigen und die Kennlinien der ECU umschreiben...

    ...das ist genau der Grund warum ich mich in diesem Fred bisher sehr bedeckt gehalten habe...

    Experimentelles Basteln mit suizidalen Tendenzen...

    Nur so zur Info am Rande: Das Federbein alleine ist bei unseren Fahrwerken nur ein Teil des Ganzen. Es wirkt auf eine Umlenkung deren Hebelverhältnisse sich beim Einfedern verändern und so die hintere Federung progressiv werden lassen.

    Nur ein Anheben des Heck um 25mm mit anderen Umlenkknochen verändert nicht nur die gesamte Fahrweksgeometrie durch das Verkürzen des Nachlaufes am Vorderrad in Richtung sportlich, agil, kurvengierig. Es wird gleichzeitig auch das Ansprechverhalten des Federbeines hinten deutlich direkter und straffer.

    wenn dazu dann noch die Feder geändert wird ist man ganz schnell in einem Bereich in dem man mit der einfachen Einstellung der Zugstufe nicht mehr allzuweit kommt und zusätzlich eine Anpassung der Druckstufendämpfung nötig wird -> und idealer Weise dann auch noch getrennt in high- und lowspeed....

    Bei Modifikationen am Fahrwerk sollte man also sehr genau wissen was man tut und wo man hin will!

    An sonsten: Wilbers, Öhlins, Andreani, WP, etc... - die Damen und Herren dort wissen sehr genau was sie tun und brauchen als Info nur Dein Möpi, Dein Gewicht und Deine bevorzugte Fahrweise um Dir aus X verschiedenen Komponenten genau das zusammen zu bauen was für Dich passt...

    ich würde ihn eher als ausgeprägten Tourenfahrer mit sensibler Gashand betrachten...😉👍

    Aber wo wir gerade bei den nicht mehr ganz brandaktuellen Reifen sind - gerade für solche Fahrer, die nicht auf Knieschleifen und Rekordjagt auf den Pässen aus sind, ist IMO der Angel GT1 immer noch ein hoch interessanter und vergleichsweise preiswerter Kandidat! - im Trockenen flott, handlich, agil und mit hoher Laufleistung - im Regen sehr souverän und sicher...

    Um die Schrecksekunde zu vermeiden (geht mir auch nach dem tausendsten Mal noch genauso...) einfach die unsinnigen "Angstnippel" rausschrauben und/oder ggf. andere Rasten montieren.

    Schließlich bringt es Dir garnix wenn Du gelernt hast dem Reifen zu vertrauen und Dich in einer zwiespältigen Situation mit einer tiefen Schräglage aus der Affaire zu ziehe und die Kiste dann aus der Schreckreaktion heraus verreißt...