Wieder mal typisches Marketing-Geschwurbel mit fragwürdigem Hintergrund. Hier mal ein Kommentar aus der Wissenschaft ("Der Standard" zum "Wunder-Akku" Donut Lab. Aber quickshifter , ich will dir das nicht nehmen. Kauf du da gerne ein.
Wenn ich mir allerdings den letzten Absatz durchlese, habe ich einige Zweifel an der Seriösität dieses Unternehmens. Ich befürchte da eher ein junges Start-Up mit kriminellen Machenschaften, welches in einem Jahr mit ganzen Kohle abgehauen ist, nachdem "brav" Insolvenz angemeldet wurde.
Innovationen
Donut Lab: Es mehren sich Zweifel am Solid-State-Wunderakku aus Finnland
Kritik aus der Branche, fehlende Tests, wissenschaftliche Belege und fragwürdige Kapitalbeschaffungstaktiken
Es klingt wie der perfekte Akku, zumindest wenn man nach dem aktuellen Stand der Technologie geht. Er ist "Solid State", kommt also ohne einem flüssigen Elektrolyt aus. Das – und die verwendeten Materialien – sollen selbst bei Beschädigung eine Selbstentzündung ausschließen. Gleichzeitig bietet er eine Leistungsdichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg) und damit deutlich mehr, als fortschrittliche Lithium-Akkus, die zwischen 250 und 300 Wh/kg liegen. Und dann soll er auch noch binnen fünf Minuten komplett aufladbar sein und eine Nutzlebensdauer von bis zu 100.000 Ladezyklen liefern.
Weiters soll er in der Herstellung auch noch günstiger sein, als konventionelle Akkus mit Lithium-Zellen, da man ohne Lithium auskomme und gut verfügbare und auch non-toxische Materialien verwende. Außerdem ließe sich die standardmäßig mit vier Volt angegebene Betriebsspannung leicht an individuelle Bedürfnisse anpassen.
Bonuspunkt: Der Akku stammt nicht von einem asiatischen Riesen wie Samsung oder CATL, sondern aus Finnland, genauer gesagt vom Start-up Donut Lab. Das Unternehmen sorgte außerdem auf der CES Anfang des Jahres für eine Überraschung und erklärte, dass der Solid-State-Batteriespeicher bereit für die Massenfertigung sei. Noch in diesem Quartal will Verge Motorcycles, ebenfalls aus Finnland, den Akku in das "TS Pro", ein elektrisches Motorrad, verbauen.
Chef von anderem Akkuhersteller zweifelt
Doch es mehren sich Zweifel an dem Donut-Akku. Trotz aller Behauptungen fehlt es bisher an unabhängig durchgeführten Tests und den entsprechenden Zertifikaten, welche die Angaben untermauern würden. Auch aus der eigenen Branche gibt es Skepsis. So erklärte etwa Yang Hongxin, CEO des großen, chinesischen Akkuherstellers Svolt Energy, dass er sich nicht vorstellen könne, dass ein Solid-State-Akku mit den von Donut Labs beworbenen Eigenschaften bereits irgendwo existiert, geschweige denn bereit für die Massenfertigung ist.
Hongxin kann man freilich bei so einer Aussage Eigeninteresse unterstellen. Eine detailliertere, wissenschaftliche Annäherung hat hingegen der britische Elektroantriebs-Spezialist Ryan Hughes versucht. Auf seinem Youtube-Channel "Ziroth Tech" evaluierte er in einem 18 Minuten langen Video die bekannten Angaben zum Solid-State-Wunderakku.
Auf der Suche nach wissenschaftlichen Belegen
Für ihn legt der angebliche Verzicht auf Lithium und andere typische Akku-Materialien, als auch die lange Lebenszeit, schnelle Aufladbarkeit und leicht änderbare Betriebsspannung nahe, dass es sich gar nicht um einen typischen Akku handelt. Sondern um einen Kondensator. Diese bieten exakt diese Eigenschaften. Allerdings haben sie normalerweise auch einen entscheidenden Nachteil: Niedrige Energiedichte.
Geheime Investorendokumente zeigen, dass es eine Verbindung zwischen Donut und Nordic Nano gibt, das vor einiger Zeit mit der Entwicklung eines Kondensators zur Energiespeicherung auf Kapitaljagd gegangen war. Und für diesen werden sehr ähnliche Spezifikationen angegeben, wie für den Akku – darunter auch die Energiedichte von 400 Wh/kg. Möglich machen sollen das unter anderem Kohlenstoff-Nanoröhrchen.
Hughes verweist dabei auch auf Erkenntnisse eines anderen Youtubers, Ricky Roy, vulgo "Two Bit da Vinci". Dieser hatte ein wissenschaftliches Paper zu Superkondensatoren mit hoher Kapazität ausgewertet. Diese "Pseudokondensatoren" fungieren sowohl als elektrostatischer Speicher und nutzen andererseits auch ein elektrochemisches Energiereservoir analog zu herkömmlichen Akkus, um sowohl hohe Kapazität, als auch lange Lebensdauer zu realisieren. Hier wurden Kohlenstoff-Nanoröhrchen genutzt, um das gesamte Innenleben als Energiespeicher nutzen zu können und nicht nur die Oberfläche.
Mit einer erzielten Energiedichte von 418 Wh/kg würde das zwar auch zu den Angaben von Donut Labs passen. Jedoch gilt diese Angabe nur für das speicherfähige Material und nicht den gesamten Kondensator. In voller Umsetzung als Speichersystem wäre die Energiedichte niedriger. Und zwar deutlich: Hughes schätzt hier grob, dass man wohl bei rund 50 Wh/kg landen würde. Im konkreten Fall kam zudem ein Gel als Elektrolyt zum Einsatz, weswegen es auch nicht als Solid-State-Energiespeicher klassifizierbar wäre.
Viele Ansätze, kein passendes Ergebnis
Auch ein anderes Paper über die Umsetzung einer Anode auf Basis von Titanoxid, die Natriumionen binden kann, um als Pseudokondensator zu funktionieren. Auch dies brächte schnelle Auf- und Entladung, hohe Energiedichte und lange Lebensdauer. Ein Chemiker im Team von Nordic Nano verfügt auch über einschlägiges Know-How in diesem Bereich. Experimentell konnte man circa 300 Wh/kg erzielen. Allerdings wäre auch hier aufgrund der Materialwahl und anderer Gründe in einem vollständigen Endprodukt eine erheblich niedrigere Energiedichte zu erwarten.
Auch die Elektromobilitätsexpertin Laycee Schmidtke ("Miss GoElectric Industry") wird von Hughes zitiert. Sie stieß auf alternative Konzepte für klassische Akkus, die etwa die etwa eine leitfähige Platte und daran gekoppelten "Wald" aus beschichteten Nanoröhrchen anstelle einer konventionellen Anode verwenden und auf eine Natrium-Kathode setzen, die mit einem Feststoff-Elektrolyt verbunden sind.
Damit wären zwar lange Lebensdauer und schnelle Ladung realisierbar, aber keine Betriebsspannung von vier Volt oder die Möglichkeit, diese einfach zu ändern. Dazu lässt sich zwar eine Energiedichte von 472 Wh/kg an der Kathode erreichen, als komplettes System läge es aber abermals weit unter den 400 Wh/kg, die Donut Lab bewirbt. Dazu ist laut dem finnischen Batterieforscher Juho Heiska das notwendige Verfahren für die Beschichtung der Kohlenstoffnanoröhrchen mit Titanoxid sehr aufwendig, was dem Versprechen günstiger Herstellung zuwiderläuft.
Wahrscheinlichkeit "sehr gering"
Nach Analyse des aktuellen Forschungsstandes und Gesprächen mit Experten kommt Hughes also zu einem sehr skeptischen Fazit. Ein Durchbruch hinter den Kulissen sei zwar nicht auszuschließen, er schätze die Wahrscheinlichkeit, dass der gehypte Solid-State-Akku in dieser Form tatsächlich existiert allerdings als "sehr gering" ein, auch wenn er sich freilich wünsche, dass es so einen Akku gibt.
Zudem weist er auch auf Auffälligkeiten abseits wissenschaftlicher Überprüfbarkeit hin. So wirft etwa ein Investor Donut Lab vor, Privatanleger aus Finnland mit unaufgeforderten Anrufen ("Cold Calling") und zeitlich limitierten "Sonderangeboten" mit hohen Renditeversprechen unter Druck zu setzen. Das sei für diesen die größte "Red Flag", da Start-ups mit tatsächlich revolutionären Erfindungen üblicherweise Kapital von großen Konzernen mit Interesse am Produkt oder Investmentbanken lukrieren können. Auch die angeblich limitierten Investmentofferten könnten ein Hinweis auf Betrug sein. Denn diese erzeugten Dringlichkeit, wo keine nötig wäre, was Investoren dazu verleiten könnte, das Unternehmen auf seine Glaubwürdigkeit zu prüfen. Die Angaben decken sich laut Hughes mit Informationen aus den geheimen Unterlagen, die er erhalten hat.
Erwähnenswert ist, dass die Partnerschaft zwischen Donut Lab und Verge Motorcycles keine Kooperation zweier voneinander unabhängiger Firmen ist. Der Verkauf von Donut Lab-Akkus an den Bike-Hersteller ist im Prinzip ein "Familiengeschäft". Donut Lab ist eine Tochtergesellschaft von Verge, die wie dieser seit 2018 existiert, aber sechs Jahre lang im "Stealth"-Modus operierte.
Ihr Co-Gründer und CEO ist Marko Lehtimäki, der auch zum Gründerteam von Verge gehört. Das Motorrad-Start-up wird wiederum von seinem Bruder, Tuomo Lehtimäki, geleitet. Das Verhältnis machte man zwar 2024 in einem Social Media-Post publik, doch auf den Firmenwebseiten wird das jeweilige Unternehmen kaum erwähnt. Und wenn doch - wie etwa bei der Ankündigung der Solid-State-Akkus für die Verge-Motorräder - wird die Verflechtung nicht erwähnt. (gpi, 21.2.2026)