Meine Zweiradkarriere war in den ersten 10 Jahren durch chronischen Geldmangel geprägt, aber Not macht ja erfinderisch.
Mit 16 (1978) als Schüler Moppedführerschein vom Mund angespart und ne gebrauchte Honda CB 50 erstanden. Kreidler Zündapp und Co waren nicht drin also Leistungsoptimierung selbst gesucht und ein wenig gefunden. So gerüstet ging es dann mit 2,1 + X PS von Berlin (auf der Transitstrecke) in die Berge nach Bayern und zurück. Für meine Eltern war ich dann mal weg, Handy gab es nicht und es stellte sich die tägliche Frage: "tanken oder telefonieren?". Ferngespräche waren damals teuer. Mit 18 dann 1er & 3er Führerschein (für 450DM 😱) gemacht. Heute unvorstellbar.
Das Ersparte hatte dann für ne eigene Kawasaki Z200 gereicht. Vernunft gesegnet wie wir waren, habe ich natürlich meinen Cousin, der 20 Jahre älter war, genötigt mir mal seine GoldWing zu leihen. Das daraus resultierende Leistungbewusstsein motivierte mich dann im Herbst 1981 eine erschwingliche CB 550 Four als "Bastlerobjekt" zu erstehen und in der Folge meine technischen Fertigkeiten wegen immer noch notorischen Geldmangel massiv zu erweitern. Was für eine Lernkurve. Nach ca. 2 Jahren permanenter Optimierung (technisch und optisch) konnte ich sie mit Gewinn verkaufen um dann die nächste Evolutionstufe zu erklimmen. Es wäre fast eine 3 Monate alte CBX1000 geworden, leider fehlten mir final 1000DM, so ist es eine CB 750 K geworden. - neuwertiger Zustand, günstig geschossen.
2 Jahre arm aber glücklich. Da damals das Leistungslimit in D bei 100PS lag, stellte sich die Frage wo ich die letzten Pferde herbekomme. Ich fand sie dann in einem 900er Bol d'Or Motor, den ich erfolgreich implementiert habe. Dann noch Stummel, Verkleidung und 4 in 1 ran, fertig war der Renner. Nachdem die offensichtlichen TüV Themen erledigt waren, ging's damit mit den Kumpels quer durch Europa. Es kam, wie es kommen musste, die (Leistungs)Latte lag zwischenzeitlich schon wieder höher. Erschwerend kam hinzu, dass ich jetzt auch völlig legal unterwegs sein wollte. Und so entstand ein Eigenbau auf Basis einer Suzuki GSX 750 mit einem 1100 Katanamotor der generalüberholt und noch mit etwas mehr Hubraum und Yoshimuranocken verfeinert wurde. Die typischen Sportkomponenten ran und das Fahrwerk erhielt auch adäquate Komponenten. Nach 1,5 Jahren fast tägliches Schrauben habe ich dann die Einzelabnahme als Fahrzeughersteller bekommen und wollte nur noch fahren, wurde aber überdurchschnittlich oft von der Rennleitung raus gezogen ("...das ist doch nicht alles eingetragen..." - "... geben sie mir mal nen Zettel, dann schreibe ich mir ne Herstellerfreigabe...)
Danach kamen dann 18 Jahre Babypause.
Der Rest ist schnell erzählt. Ich wollte eigentlich nicht mehr Schrauben, nur noch fahren, ein vernünftiges Budget stellte auch kein Problem mehr da, so begann der Wiedereinstieg mit einer Bandit 1250 S, nach ein paar Jahren eingetauscht gegen eine Triumph Tiger 1200 (da fing der 3-Zylinder Wahn an). Dazu gesellte sich eine der ersten MT09 (RN29), bei der ich allerdings vorne wie hinten die Feder-/Dampfereinheiten getauscht habe - natürlich mit TÜV, vorne bräuchte ich ne Einzelabnahme ( Andreani). Die Übung machts.
Die Explorer ist zwischenzeitlich gegen eine KTM1190 Adventure getauscht und die MT musste einer SpeedTriple 1200RS weichen.
Ich hatte noch 5 Jahre eine Moto Guzzi 1100 California für die Eisdiele. Habe ich letztes Jahr wegen Nichtnutzung verkauft.
Ich habe jetzt bis auf weiteres Probefahrtverbot von meiner Frau bekommen.
Da die Kinder zwischenzeitlich aus dem Haus sind, habe ich mit meinen Kumpels von damals ein Rennteam gegründet. Hier haben wir zwei Fahrzeuge
1. Kawasaki 750 H2 Motor im ZXR400 Fahrwerk
2. Altersgerecht umgebaute alte GSX 750 R
Damit spielen wir einmal im Jahr beim Männerwochenende auf der Build Not Bought am Spreewaldring
Mein Fazit: Vieles was damals machbar war ist heute so nicht mehr (legal) realisierbar. Aber verglichen mit damals sind die heutigen Modelle um Lichtjahre besser geworden, auch die "einfachen".
Früher war das Bike der limitierende Faktor, da müsste man Hand anlegen, heute bin ich das.