Möchte jetzt mal meinen begonnenen Urlaubsbericht zu Ende bringen, den ich damals eigentlich schon so gut wie fertig geschrieben hatte.
Mit der Bildersortierung und -Bearbeitung bin ich nur leider damals nicht hinterhergekommen und dem Ganzen folgte dann ein überaus turbulentes Jahr, in dem einiges passiert ist, wo dann einfach keine Zeit mehr für solcherlei Sachen war.
In diesem Jahr habe ich u. a. ganz unverhofft mein weibliches Gegenstück kennengelernt und noch so einiges mehr.
Doch nun kehrt zum Jahresende hin glaube ich mal so was wie ein wenig mehr Ruhe ein und ich finde tatsächlich Zeit, begonnenes zu Ende zu führen.
Nun denn, es folgt mein restlicher Bericht und wenn ich Euch eines darüber sagen kann: Es wird garantiert nicht langweilig. 😉
Tag 6:
Heute ist der sechste und letzte Urlaubstag.
Aus meiner Sicht ein ganz klares "Leider", für den Hotelbetreiber ein ganz klares "Gott sei Dank!".
So wurde die Insolvenz in letzter Sekunde nochmal abgewendet und der so unfassbar verfressene Hotelgast reist endlich wieder nach Hause.
Ich wollte heute eigentlich noch einige weitere Sachen bzw. Vergünstigungen ausnutzen, die man mit der Sankt Anton Sommerkarte bekommt wie kostenloser Eintritt in eines der Schwimmbäder, Bogenschießen etc. Aber dann komme ich doch zu dem Schluss, daß ich darauf pfeife und lieber nochmal auf's Rad steige.
Ich kenne mich nämlich.
Ich war noch nie ein Strandurlauber, der den ganzen Tag über (oder am Besten noch den ganzen Urlaub) nur auf der Liege am Strand herumschimmelt.
Wenn ich jetzt ins Freibad gehen und dort den Tag verbringen würde, ärgere ich mich danach die ganze Zeit, daß ich den sonnig-warmen Tag "verschenkt" hätte mit Faulenzen, wo ich auch viel Schöneres hätte machen können, wenn ich doch jetzt schon mal in den Bergen bin.
Und so geht's heute nochmal auf's Rad (auf mein eigenes, also mit ohne E) und ich hab aber noch kein richtig fixes Ziel.
Ganz so krass brauche ich es heute nicht, also entschließe ich mich dazu, nochmal am Fluß entlang Richtung Flirsch zu fahren und evtl. noch ein bisschen mehr, denn so weit ist diese Strecke ja nun auch nicht (nur etwa 30 Km).
Mal schauen, wo's mich hinzieht.
Es ist jedenfalls Top Wetter und es ist wirklich wunderschön und auch recht easy fahrbar.
Ich fahre die üblichen Wege teils am Fluß entlang bis nach Flirsch und da schlage ich dann aber spontan einen Rad- oder Wanderweg ein, der irgendwo in die nördliche der beiden Bergketten führt.



Es geht - natürlich - bald auch wieder ziemlich steil auf Schotter den Berg hinauf, aber ich fühle mich ziemlich fit.
Kurze Zeit später erblicke ich dann ein Schild und traue meinen Augen kaum: Zur Ansbacher Hütte geht es hier.
Lustiger Zufall.
Ich komme nämlich aus dem Landkreis Ansbach bei Nürnberg.
Also Ehrensache, daß ich da hoch muß.
Steht leider nicht dabei, wie weit oder wie hoch und ich mag auch nicht schauen, will mich überraschen lassen.
Und so mache ich mich auf den Weg dorthin, immer steiler und höher hinauf.
Es wird wilder und unwegsamer, der Weg wird bald zum Pfad und der Pfad ist dann irgendwann nach einer Abzweigung noch nicht mal mehr als Pfad zu klassifizieren.
Irgendwann zeigt dann ein Wegweiser zur Ansbacher Hütte nach links oben, mitten in den Wald hinein.
Das ist einfach nur ein Steilhang zwischen den Bäumen durch, Pfad nur noch erahnbar, Steigung wohl jenseits der 30%.
Muß an dieser Stelle einsehen, daß ich mir das wohl abschminken muß.
Da würde ich ohne Rad zu Fuß gerade mal so hochkommen, aber selbst das vermutlich nur auf allen Vieren.
Also rumgedreht, den Weg zurück und dann eine andere Abzweigung genommen. Dort fahre ich mehrere Kilometer entlang und bleibe eigentlich immer so am Berghang im Wald, ein gutes Stück über dem Tal, mal geht's hoch und mal geht's runter.
Irgendwann versperrt mir dann das da aus heiterem Himmel den Weg:


Eine Muhre (Schlammlawine) hat sich hier ihren Weg quer durch den Wald gefressen, alles auf ihrem Weg mitgerissen und hat unter anderem auch diesen Weg hier gekreuzt.
Man ist wohl noch nicht dazu gekommen, alles zu beseitigen, jedenfalls zieht sich vor mir ein etwa 3 m hoher Erdwall quer über meinem Weg.
Bin vom Anblick ziemlich beeindruckt, bekomme direkt wieder Ehrfurcht vor den Naturgewalten und man wird auf erschreckende Art und Weise daran erinnert, wie klein man als Mensch doch eigentlich ist und wie hilflos in so manchen Situationen.
Auf diesem Bild hier ist auch ganz gut anhand meines Bikes rechts unten zu sehen, wie hoch und breit diese Schlammlawine war:

Ich schultere mein zum Glück so herrlich leichtes Carbon Bike und klettere über das große Hindernis.
Die Muhre ist überquert und was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das Thema Schlammlawine hat sich für mich an diesem Punkt noch nicht erledigt ...
Dann geht's weiter auf Schotterwegen, ich halte mich irgendwann bei einer Weggabelung bergaufwärts und da geht's dann ziemlich steil rauf, bis ich am Eingang eines größeren Tunnels stehe.

Der offenbar ziemlich lang ist, denn er ist unbeleuchtet und man kann das andere Ende nicht sehen.
Laut einigen Wanderern, die ich anspreche, lohnt sich aber die Durchquerung, denn am anderen Ende soll man an einer sehenswerten Schlucht mit Wasserfall rauskommen, die sich Schnanner Klamm nennt.
Ich muß wohl hoffentlich nicht mehr erwähnen, daß ich da natürlich hin muß ...
Der Tunnel zieht sich in der Tat etwas hin, weil weiterhin sehr steil und irgendwann sieht man wirklich null, weil stockdunkel.
Aber ziemlich genau im Augenblick der vollkommenen Dunkelheit erahnt man dann ein gaaanz kleines helles Fleckchen, was irgendwo weiter oben auf das Ende des Tunnels schließen lässt.
Und so ist es tatsächlich.
Ich trete aus dem Tunnel heraus und vor mir sehe ich den Wasserfall. Es breitet sich eine tolle Schlucht aus, die sogar über Hängebrücke und Treppen, die in den Steilwänden hängen, begehbar ist.


Aus Zeitgründen muß ich aber leider auf die Schluchtbegehung verzichten und mache lediglich Aufnahmen von Schlucht und Wasserfall.
Doch das ist sicher noch ein ganz besonderes Schmankerl, diese Schlucht über diese Hängebrücke zu begehen und ich nehme mir vor, wenn ich mal wieder hier in der Gegend sein sollte, daß ich das dann nachhole.
Der Rest des Rückweges wird dann noch ziemlich abenteuerlich.
Weil ich den Weg erst ziemlich weit zurückfahren müsste, um wieder in die andere Richtung zu kommen, in die ich jetzt eigentlich will (Richtung Sankt Anton), sehe ich mich nach Alternativen um.
Und kurz vor besagtem Tunnel hatte ich vorhin links den Steilhang hinunter einen wurzeligen Pfad gesehen, der laut einer Ortsansässigen wohl direkt in den darunterliegenden Ort namens Schnann führt.
Mit Bike aber definitiv nicht fahrbar, also schiebe und trage ich teilweise und muß höllisch aufpassen, nicht am Steilhang auszurutschen.
Komme dann am Schluß quasi am Fuße des Wasserfalls heraus, der dann als Fluß direkt durch den Ort fließt.

Den Rest der Tour geht's über Pettneu auf Rad- sowie Wald- und Wiesenwegen nach Sankt Anton.
Geile Tour war das.
Etwa 35 Km, teils doch wieder sehr steil, aber alles irgendwie aus eigener Kraft geschafft und viel Schönes dabei gesehen.
Ich gehe duschen, setze mich auf meinen Balkon, genieße die Aussicht und freue mich so langsam auf's Abendessen.
Und dann kommt der Abend meines letzten Urlaubstages hier in Sankt Anton.
Der Abend des 16.08.2024.
Ein Abend, den ich und viele andere Urlaubsgäste hier vermutlich nicht so schnell vergessen werden ...