Beiträge von blahwas

    25.4. Nord 4 - Picos de Europa


    Gut geschlafen, routiniert gepackt, beim Checkout bezahlt, geht es bequem und warm früh los. Bald gerate ich jedoch in eine Polizeikontrolle. Da stehen ein Auto und 2 Mann zwischen Autobahnausfahrt und Kreisverkehr. Keine Gewehre. Da habe ich eine Chance mit der Nagelfeile! Ich werde angesprochen. Ich sage nur ein Wort: "Ingles?" - was soviel heißt wie, "Ich bin nicht von hier - sprechen Sie vielleicht Englisch?" - und das führt zu "Gracias" = Danke plus Winken in Fahrtrichtung. Die kürzeste Kontrolle aller Zeiten. Der hatte entweder keine Lust sind mit Englisch zu quälen, oder er wusste, dass Touristen sich nicht die Einschränkung der Bewegungsfreiheit zwischen Landkreisen halten müssen.


    Die Strecken heute morgen überzeugen mich leider nicht. Es ist dröges Gestolper auf engen, schlechten Straßen mit wenig Weit- oder Aussicht. Tiefpunkt für mich, der Collado Moande. 12 km durch Wald auf schlechter schmaler Strecke, die ich danach zurück muss, und dann gerade mal diese Aussicht, das enttäuscht schon:



    Man stumpft ab. Später wird es aber deutlich schöner.




    Zum nächsten Punkt, dem Puerto de San Isidro, schlängelt sich die Strecke dann endlich erfreulich hoch ins Gebirge. Kahle Felsen sieht man gern! 1520 m am Höhenübergang.



    Danach wird's nicht so viel tiefer, die Landschaft ist auch völlig anders. Außerdem bin ich jetzt in Leon und nicht mehr in Asturien.



    Aber MT-09 will schon wieder Sprit. Passt ganz gut, da kommt eine Tanke in 30 km, sind dann 40 km auf Reserve, das reicht bei normaler Fahrweise. Leider war diese Tankstelle in Puebla de Lillo gerade geschlossen. Ein handschriftlicher Zettel im Fenster spricht von Mittagspause 14-16 Uhr, wenn ich das richtig verstehe. Es könnte auch "Sonntags und an Feiertagen geschlossen" heißen. Hm. Bis 16 Uhr sind es 30 Minuten. Die nächste Tankstelle auf meiner Route schaffe ich nicht mehr ohne Kanister, und mit Kanister wird's auch knapp. Immerhin kommt kurz dahinter dann noch eine Tankstelle. Die nächste Tankstelle, abseits meiner Route, es sind 30 Minuten Umweg. Alles keine tollen Optionen. Ich entscheide mich für weiterfahren. Bei 53 km auf Reserve beginnt es zu ruckeln, ich suche mir eine schöne Stelle zum Anhalten und fülle meinen Liter aus dem Kanister nach.



    Es sind noch 20 km zur Tankstelle. Das entspricht einem Verbrauch von 5 l/100 km, das sollte ich doch schaffen. Die Landschaft wird derweil immer mehr Norwegen - nur mit Kühen.



    Im nächsten Ort gibt es dann wirklich eine Tankstelle, und ich fülle erst meinen 1 L-Kanister, und dann meinen 14 L-Tank (auf dem Seitenständer). Es sind insgesamt 15,5 Liter. Außerdem 71 km auf Reserve Zauberei :)




    Danach schnappe ich mir noch einen Passknackerpunkt, der ein Abstecher ist, und weil es schon 17 Uhr ist, suche mir dann ein Hotel. 40 Euro, etwas abgelegen, mit Restaurant. Das gefällt mir. Leider ist im Ort kein offener Supermarkt, daher bin ich wohl aufs Restaurant angewiesen. Leider macht erst um 8 auf. Es wird dann wohl Rührei mit Pommes oder sowas.


    Zielerreichung:

    48,1% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    2513 von 4732 Punkten im Passknacker-Lebenswerk jemals angefahren

    noch 4 reine Fahrtage

    Eigentlich wollte ich ja jetzt 'n Foto von meinem Motorrad posten, aber ich glaube, das passt nicht in diesen Kontext :thumbdown: Seid ihr eigentlich alle 12?

    24.4. Nord 3 - einfach mal Motorrad fahren


    Der beginnt für mich um 8 Uhr mit dem typischen Plätschern von intensivem Regen. Meh. Ich bin hier unter Atlantik-Einfluss, da kann das schon mal vorkommen. Was sagt das Regenradar? Es zieht Nach norden? Und ist ein einer Stunde weg? Prima, ich fahre heute nach Osten und habe damit den Rest des Tages keinen Regen. Und wann hört es hier denn auf? Um 9 Uhr. Prima. Dann kann ich den Tag ja gemütlich beginnen, ohne Regenklamotten starten und muss nicht den ganzen Tag mit nassen Handschuhen fahren. Die riechen jetzt schon wie eine Tierkörperbeseitigungsanlage vier Wochen nach Weihnachten.


    Das klappt tatsächlich gut, und so mampfe ich mich ostwärts durch die Passknackerlandkarte. Die Strecken sind noch eine Weile feucht, aber alles trocknet bei Wind und Sonne. Die Berge dampfen.



    Heute habe ich überwiegen kleine Popelstraßen, was mir auf Dauer etwas auf die Nerven geht. Ich frage mich, ob's an meinem Navi liegt, oder ob's da wirklich keine besseren Verbindungen gibt. Besonders schlechter Ausreißer:



    Okay, die Hauptstrecken sind Nord-Süd, und ich fahre West-Ost, aber ich überquere teilweise richtig hohe Pässe, mit Schild, die nicht bei Passknacker eingetragen sind. Da war vor mir also noch keiner, also sind die einen anderen Weg gefahren. Oder, weigern sich wie, neue Pässe einzutragen, weil das roten Flecken auf der Lebenswerk-Karte führt. Aber letztes Jahr war der Passknacker-Präsi hier, dessen Superkraft es ist, dass Pässe, die er einträgt, auf seiner Lebenswerk-Karte grün sind. Hmm! Naja, immerhin sind auch mal tolle Aussichten dabei.



    Weniger cool dagegen die Sperrung einer Autobahn, und auch gleichzeitig ihrer Ausweichstrecke nach Oviedo. Umleitungen ausschildern ist außerdem was für Feiglinge, und im Bergland hat mein Navi wieder eigene Ideen. In der Nähe von Oviedo wird's mir dann warm, über 20°C! Also bei der nächsten Tankstellen raus aus den warmen Sachen, Eis essen, und gleich mal die Yamaha ein bisschen putzen. Soviel Liebe muss sein. Jetzt ist sie nur noch normal dreckig und sieht nicht mehr aus wie nach einer Paris-Dakar-Teilnahme. Die Region sieht derweil eher wie der Schwarzwald aus, nur für mich ohne Bundesstraßen.



    Mittagspause mache ich bei einer Windfarm, genau unter dem Propeller. Windkraftanlagen sind ja die Geisel der Menschheit, wenn man manchen Leuten glauben mag. Ich stehe hier direkt drunter, höre jedes einzelne Rotorblatt und muss sagen: Ich meiner letzten Wohnung war im Schlafzimmer der Kühlschrank aus der Küche lauter zu hören. Ich werde auch nicht von toten Vögeln getroffen, die im Sekundentakt vom Propeller geschreddert werden. Es liegt nicht mal was in der Art rum. Aber die Brennstoffindustrie würde in ihrer Gemeinnützigkeit sicherlich nie Desinformation streuen.



    Höhepunkt des Tages ist der Cima de L'Angliru, der vermutlich höchste anfahrbare Punkt im Großraum. Die Straße geht als schmale Sackgasse in Serpentinen mit 24% Steigung auf der Nordseite auf 1500 Meter hoch. Am Fahrbahnrand liegt noch Schnee. Radfahrer quälen sich hoch, oben steht schon jemand mit einer Harley. Respekt!






    Später ist noch die Strecke hoch zur Alto de la Cobertoria ziemlich spaßig zu fahren, da wird die Reifenmitte geschont, aber runterwärts ist durchgehend Überholverbot, mit Drohnendrohung, und bald laufe ich auf einen Schleicher auf. Da hilft auch eine Pause nicht viel, denn danach laufe ich auf einen Konvoi historischer und/oder sportlicher Fahrzeuge auf. Immerhin hat man was zu gucken.



    Die restlichen Punkte der Region sind nicht der Rede wert, zu zersiedelt ist es hier, und so gucke ich etwas genervt gegen 17 Uhr nach einer Unterkunft. Bitte wieder Hotel. Richtung Küste gibt es mehr Auswahl, und da sind auch Straßen, wo man zügig voran kommt. Das Hotel ist OK, nicht mitten in einer Stadt, es wurde gelüftet, und ich kann diskret parken. Jetzt noch in den Supermarkt, am Land bis 20:30 geöffnet, und der Tag kann ausklingen. 2 Bier (Estrella) sind von gestern auch noch da :)


    Zwecks Heimreise habe ich einen Flug ab Madrid gebucht. macht zwar Greta traurig, und ich wollte das auch nicht mehr, aber bei 28 Euro ist es verflucht schwer, sich stattdessen 2 Tage auf die Autobahn zu setzen. Zwecks Motorradbetreuung habe ich ein paar Yamaha-Händler in Madrid angeschrieben, ob sie Lust haben, den 40000 km Service zu machen (großer Service) und mein Motorrad ein paar Wochen unterzustellen. Ich will ja noch die Pyrenäen dieses Jahr fahren, und die Yamaha Händler hier können unmöglich schlechter und teurer als die Yamaha Händler in meiner Heimat sein.


    44,1% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    1x Alarm wegen Hinterreifen Überdrück (3,1 bar) nach Autobahnkreuz

    1 Satz nicht stinkender Wäsche übrig

    So, zu meinem Passknackerpunkt Alto de Poio! Da geht's recht zügig hin, allerdings in die Wolken rein. Das heiß keine Sicht und Kälte. Zum nächsten Punkt habe ich zwei Möglichkeiten: Nahezu den gesamten Weg zurück, oder über Minipopelstraßen ziemlich Luftlinie. Die Navis sind sich uneinig, was schneller geht. Eine Stunde Autobahnlangweile hatte ich, außerdem müsste ich dann noch mal an der Kontrollstelle vorbei - auch wenn die einseitig ist, mir ist das unangenehm. Also Minipopelstraßen. Laut OSMand alles asphaltiert. So schraube ich mich in die Landschaft rein, und tatsächlich habe ich Asphalt und sogar einen Mittelstreifen. Aber nur bis zu einer Kehre, dann will Chinanavi geradeaus fahren. Das geht auch 5 km zu, allerdings mit zunehmend verwirrt guckenden Anwohnern und Hunden in allen Größenordnungen, die es auf der Straße echt gemütlich finden. Dann kommt ein Sportplatz und Ende Gelände. Chinanavi wollte kurz vorher auf einen Feldweg abbiegen, den ich aber verweigere. Am Sportplatz sind Bänke zum Rasten. Das trifft sich gut, Frühstück fehlt bisher.



    Ich kriege was zum beißen, und der Hotelier kriegt die angedachte Email. OSMand liefert die Erkenntnis, dass man vorhin in der Kehre besser auf der "Hauptstrecke" geblieben wäre. Ich habe einen Handyhalter dabei, will den aber nicht extra montieren - der ist einfach zu sperrig. Ich habe aber ein Garmin Zumo 220 mit OSM-Karten dabei, das kann mich doch navigieren! Klar, es berechnet eine Route, und malt eine gerade rosa Linie in die Landschaft zum nächsten Wegpunkt. Prima, dann kann ich es ja gleich wieder ausschalten und wegpacken. Ich mag das Scheißding eh nicht. Die restliche Route finde ich auch mit dem kleinen Chinesen, wobei der Straßenzustand 98% echt okay, 1% naja und 1% haarsträubend ist. Gemessen am nicht vorhandenen Rang dieser Verbindung ist das überraschend gut. Am Punkt Puerto de Ancares angekommen bin ich dann trotzdem erleichtert, dass es jetzt wieder auf Hauptstrecken geht. Die Yamaha hat nämlich auch schon wieder Appetit. An der Hauptstrecke wird sie auch bald bedient. Die Nebenstrecken haben keine Tankstellen. Da will ja auch niemand mit einem Tanklaster fahren.




    Dafür gibt's hier wohl Bären. Ich sehe aber keine.



    Aber Kühe und Pferde immer wieder.



    Weiter geht's Richtung Norden. Hier sind die Navis sich wieder uneinig. OSM möchte einen Umweg, China möchte direkt. Ich probiere direkt, weil es in OSM gut ausgebaut aussieht. Der Einstieg ist etwas schwer zu finden. Das hier ist eine (ehemalige?) Bergbauregion. An einem LKW-Wendeplatz hinten raus, 3x ums Eck, geht's auf eine sehr gut ausgebaute, 30 km lange "Bundesstraße" - mit einem großen Schild mit viel Text. Ich erfasse Satzfetzen vom Typ "Privatstraße", "Minengelände", und "verboten". Was genau das heißen soll, weiß ich nicht, aber das würde erklären, warum OSM hier nicht entlang möchte. Da jede durchaus Zivilfahrzeuge und keine grob verschmutzen LKW hier fahren denke, dass das klar geht. Und das geht dann auch klar. So knacke ich mich weiter durchs Land un genieße Straßen mit flüssigen Kurven und prima Aussichten.



    Man sollte es aber nicht übertreiben, wird angedrohnt.



    Am Puerto del Connio lade ich die nächste 500 km-Tour, und gleiche sie aus irgendeinem Impuls heraus noch mal mit der Passknackerlandkarte ab. Das tue ich normalerweise nicht, aber heute hat es sich gelohnt: Der Pozo de las Mujeras Muertas war in keiner von beiden Routen. Das hätte mich den Landespreis Spanien kosten können! Jetzt muss ich nur noch einen Weg dorthin finden. 13 km Luftlinie werden zu 50 km Route, und die führt geradewegs in einen Schotterweg. Nein, da spiele ich nicht mit. Manchmal macht da Chinanavis das, die Ausschlüsse ignorieren, wenn der Umweg zu groß wäre. Das ist mir aber egal, der Umweg ist auch ein Weg, und zum Motorrad fahren bin ich schließlich hier :) Es ist weiterhin sehr schön hier, auch wenn ich fünf Regentropfen abbekomme.


    Dann macht die Route einen Schlenker nach Westen und ich verliere an Höhe. Nach dem Punkt Alto de Acevo suche ich ein Hotel. Ein "Hotel"-Hotel, nix mit Hostel, BNB & Co. Eigenes Badezimmer, por favor! Ich werde fündig, wenige Kilometer von meiner Route entfernt. Ich buche per Booking, fahre hin, 8 Uhr bis 17:45 reicht echt als Fahrzeit. Auf dem Weg habe ich plötzlich Sicht auf den Atlantik - zweites Meer, Check!



    Endlich angekommen checke ich ein. Wieder mal mit Hand und Fuß, mangels gemeinsamer Sprache. Der Wirt zeigt mir zwei Zimmer und ich darf mir eins aussuchen. Beide sind gut - ich nehme das zweite. Hier hat jemand mitgedacht und die Fenster offen gelassen, damit Covid schön raus geweht wird. Ich mache etwas Kettenpflege und einen Spaziergang für die Beweglichkeit, und wenn ich einen Supermarkt fände, könnte ich mir zum Abendessen auch noch 'ne Packung Wurst vorstellen.


    Dann jedoch das zweite Highlight des Tages, 15 Minuten in meinen Spaziergang hinein. Der Wirt spricht mich an und bittet mich, ins Restaurant zu kommen und mich an einen Tisch zu setzen. Dort sitze ich jemandem gegenüber, den ich noch nicht gesehen habe. Es hat etwas von Der Pate. Der Pate spricht französisch und englisch, wir einigen uns auf englisch. Der Pate erklärt mir, dass es ein Problem gäbe. Es tue ihnen sehr leid, man habe einen Fehler gemacht. Hier in diesem Landkreis sind keine touristischen Übernachtungen erlaubt. Es gäbe aber 9 km weiter ein anderes Hotel, wo ich übernachten könnte, weil es ein anderer Landkreis ist. Wenn ich einverstanden bin, soll ich die Buchung hier stornieren und einpacken, man wird mich dorthin begleiten. Dafür gibt's auch aber Freigetränke. 1 Bier kriege ich sofort und noch 2 Dosen in einer Tüte. Ich stehe ihrem Problem mitfühlend gegenüber. Endlich mal Probleme, könnte man auch sagen. Ich bin jetzt 13 Tage unterwegs und hatte noch kein derartiges Problem mit Übernachtungen - das hat mich bisher ehrlich ein wenig überrascht. Ich willige ein und packe meine Sachen. Der Pate fährt im Auto voraus, ich hinterher. Ich frage mich noch, im angeborenen Misstrauen, ob ich jetzt in eine Lagerhalle geführt und dort ausgeraubt werde, aber lache über den Gedanken. Er fährt langsam. Ich fahre Schlangenlinien. Die Nachricht kommt an. Der Pate kann auch schnell Autofahren. 9 km und keine einzige StVO-Verletzung später kommen wir am neuen Hotel an. Ich soll das Motorrad mit dem Nummernschild zur Wand einparken. Der Wirt hier ist informiert und zu dritt checken wir mich ein. Ich war niemals hier. Ich weiß ja nicht mal, wo ich überhaupt bin.


    Das Zimmer ist minimal hochwertiger, und ich packe aus. Im Ort habe ich einen offenen Supermarkt gesehen, da hole ich mir jetzt mein Abendessen. Ansonsten tue ich dem Wirt wohl einen Gefallen, wenn ich nicht den gesamten Ort abwandere sondern mich bald wieder zurückziehe. Der Wirt des morgendlichen Hotels hat mir zurückgeschrieben, das wäre schon in Ordnung, ich hätte ja nicht gefrühstückt und man bedankt sich für meinen Zahlungswillen. So geht ein ereignisreicher Tag zu Ende. Mal sehen, wie das künftig mit den Übernachtungen läuft. Mahlzeit!


    Zielerreichung:

    40,0% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    2 Corona-WTFs

    3 Freibier

    23.4. Nord 2 Chaostage


    Leckomio. Der Tag heute allein reicht für einen ganzen Reisebericht. Es begann mit einer nicht so tollen Nacht in einem nicht so tollen Hotel. Ich blieb leider nicht der einzige Gast, und der zweite Gast hat als Hobbies 1. Rauchen und 2. Gewalthusten mit Hochziehen und Röcheln. Ich sehe also zu, dass ich morgens zügig da weg komme. Leider war noch niemand an der Rezeption, daher hinterlasse ich 20 Euro in meinem Zimmer, das eigentlich 25 Euro kosten sollte. Ich habe es aber nicht passend, und mehr bezahle ich bestimmt nicht freiwillig. Ich nehme mir aber vor, dem Besitzer eine Mail zu schreiben und um seine Bankverbindung zu bitten, für den Rest.


    Um 8 Uhr startet die Yamaha fertig gepackt mit leicht schlechtem Gewissen auf eine Tagestour, die ziemlich sternförmig aussieht. Der erste Passknacker ist gleich mal 130 km entfernt, davon aber das meiste Bundesstraße und auch Autobahn. Heute gibt es keinen Regen, aber warm ist es hier, jenseits der 1000 Höhenmeter, noch lange nicht.



    Wie ich so die Autobahn entlang döse, wird der Verkehr einspurig verengt und weiter vorne lauert wieder eine Polizeikontrolle. Ich will eigentlich diese Abfahrt hier nehmen und hoffe noch, dass ich vorher abfahren kann. Dazu halte ich mich sehr dicht hinter dem LKW vor mir und an seiner rechten Seite. Das nützt leider nichts, die stehen mit 8 Mann auf beiden Seiten der Straße und haben mich gesehen. Einer hat ein G36, bis ich da außer Reichweite bin, ist mein Topcase durchsiebt. Noch mehr Löcher in den Vakuumbeuteln kann ich echt nicht gebrauchen und mein Rückenprotektor ist nur Level 1, der hilft nicht gegen 5,56 x 45 mm. Also stelle ich mich der Kontrolle.


    Uniformierter #1 spricht mich an, ich kann aber kein Spanisch. Ich werde zur Seite gewunken. Tätä, reingetappt. 8 Beamte, alle mit Pistolen, einer zusätzlich mit einem G36. Das ist mindestens einer zuviel, um mit meiner Nagelschere da eine realistische Chance zu haben. Uniformierter #2 spricht mich auf Englisch an. Kann ich! Und eigentlich bin ich ja gar nicht SO illegal hier. Also spiele ich mal mit. Ausweis bitte, und was machen Sie hier. Hier ist mein Ausweis, ich bin

    a) auf der Durchreise aus Portugal

    b) Tourist und reise durch Spanien

    c) wüste Beschimpfungen auf übelstem Bayerisch

    Ich bleibe mal ehrlich und wähle b). Uniformierter #2 ist verwirrt, und fragt bei Uniformierter #3 nach. Uniformierter #4, der mit dem G36, zuckt kurz zusammen. Ich schnappe das Wort "Test" auf. Uniformierter #2 fragt, ob ich einen Test hätte. Na klar, daaa hinten in meinem Topcase. Bitte zeigen. Okay, ich steige ab und gehe zum Topcase. Uniformierter #2 begleitet mich intensiv und steckt mit der Nase in meinem Topcase, kaum dass es offen ist. Alter Polizistenreflex, Typ "zeigen sie mal Verbandskaten, Warndreieck, Reserverad" - oder auch einfach nur Eigenschutz, falls ich da eine Klapp-Bazooka raushole. Spanien ist ja nicht ohne was Inlandsterrorismus angeht. Während ich werkle werde ich gefragt, ob ich das erste mal in Spanien bin. Aha! Smalltalk! Sehr gutes Zeichen!


    Mein ausgedruckter PCR Test vom 9.4. gefällt ihm. Ich erkläre noch, dass ich den auch für Frankreich gebraucht habe und dann zügig durch Frankreich gefahren bin. Wohin ich heute fahre? Weiß ich nicht so genau, aber ich zeige die Route auf dem Navi. Ah, Asturien. Ja, bestimmt? Dann gute Fahrt! Und schon bin ich fertig. Außer dass ich wieder aufrödeln muss - Handschuhe ausziehen in Regenkombi, Kenner wissen was das heißt. Der neben mir fertig kontrollierte Sprinter springt nicht mehr an. Das Mitgefühl der Polizisten wird in Gelächter ausgedrückt. Eieiei. Bloß weg hier. Niemanden umfahren und dann quickshiftend weg da bevor jemand auf die Idee kommt, die Zähne auf dem Kettenrad nachzuzählen.

    22.04. Leon - Nord 1


    Gut erholt aufgewacht im modernistischen Hotel fiebere ich dem Reifentermin entgegen. 10 Uhr ist fast etwas spät, aber ich könnte ja noch tanken fahren vorher. Also gepackt, ausgecheckt, losgefahren: Tankanzeige zeigt voll. Na dann halt nicht! Zum Reifenhändler gefahren, der sagenhafte 8 Hebebühnen hat, alle mit eigener Einfahrt, und direkt vom Chef empfangen und dirigiert worden, bevor auch nur ein Fuß unten war. Er zeigt mir die Reifen und sagt, dauert etwa eine Stunde.



    Okay, ich bin vorbereitet. Die obere Hälfte mein Soziustasche ist heute leer, ich gehe zu Fuß schön einkaufen und gucke mir nebenbei Leute und Häuser und die nähere Umgebung so allgemein an. Der Einkauf reicht sicherlich bis morgen Abend, und finde auch eine Bank hinter dem Reifenhändler mit Blick aufs Motorrad, wo ich ungestört mein Frühstück schnabulieren kann. Es wird dann doch etwas nach 11, weil die Räder in einer anderen Werkstatt ausgewuchtet werden, aber halb 12 reite ich bei km-Stand 32822 wieder los. Ich zahle 219 Euro, was ein echt fairer Preis ist. Auf frischen Reifen komme ich mir anfangs wie der erste Mensch vor, der versucht, Motorrad zu fahren, weil ich nicht mehr die Unförmigkeit der alten Reifen unbewusst kompensieren muss. Es geht in die Berge, und dafür muss ich gar nicht so weit Überführungen fahren. Schon nach 50 km schwinge ich mich elegante Schluchten entlang. Beim ersten Passknackerpunkt findet sich kein Schild oder anderes gutes Merkmal an den angegebenen Koordinaten.



    Das wird sich heute leider noch ein paar Mal wiederholen. In solchen Fällen hofft man, dass die Admins die Landschaft wiedererkennen, und falls nicht, fotografiert man die nächste Kilometertafel oder das nächste Ortsschild. Der Straßenzustand ist heute weitgehend sehr gut. Es gibt auch keine gerade Bundesstraßenetappen zwischen den Punkten hier. Außer diese ;)



    Auf den kurvigen Pässen werde ich zum Speed Touri und mir fällt auch wieder ein, warum ich die MT-09 gekauft habe :)






    Das Wetter macht derweil zu und ein paar Tropfen Regen kommen runter. Kalt war's leider schon vorher, aber jetzt wird's unangenehm. Ebenfalls unangenehm, der Punkt Alto de la Farrapona ist vom Osten her definitiv Schotter, mein Navi will aber trotzdem von Osten her dorthin fahren. Ich merke das und schaue in OSMand nach: Von Westen her Asphalt. Laut meinem Navi gibt's von Westen her gar keine durchgehende Strecke, aber jede Menge Waldwege. Da hilft dann ein zusätzlicher Wegpunkt an der Stelle, wo man von der Hauptstrecke runter muss, und ab da klappt's dann frei Schnauze. Einfach immer der Strecke mit der konstanten Steigung folgen. Ob angekommen sehe ich die andere Seite und bin froh, mich für diese Seite entschieden zu haben.



    Auch heute stehen wieder überall Kühe rum, wo man sie nicht erwarten würde. Ein Cowboy kommt entgegen, der mit seinem Pickup Kühe den Pass hoch treiben möchte. Die Kühe bleiben aber verwirrt stehen, als sie mich sehen, und eine beginnt gar in Gegenrichtung zu flüchten. Aber nicht weit. Ein anderes Mal überhole ich Schafherde - zum Glück eine sehr kleine, die daher einspurig lief. Die Gegend hier ist zwar Gebirge, aber durchaus besiedelt und auch belebt. Man trifft Menschen und sieht Autos.


    Außerdem bin ich hier im Einzugsgebiet des Camino de Santiago, also der Pilger. Das macht gegen 17 Uhr die Suche nach einer Unterkunft überraschend einfach. Das Hotel-Restaurant sieht von außen sehr geschlossen aus, aber die Tür geht auf und drinnen kriege ich ein Zimmer für 25 Euro. Dass es kein eigenes Bad hat ist nicht so super, aber ich bin heute bisher der einzige Gast. Duschen mit Maske wollte ich jetzt nicht, aber ich halte es auch mal einen Tag ohne Dusche aus, besonders wenn es nicht heiß war. Heute war ein spannender Einstieg in diese Gegend mit viel Fahrspaß und wieder mal immer wieder neuen Landschaften. Spanien hat echt viel zu bieten.


    Zielerreichung:

    34,9% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    2 gleiche Reifen montiert

    Immer 3 Zeilen Zielerreichung


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    Es ist erst April Spanien ist landeinwärts größtenteils Höhenlage. Wir Touris denken halt immer nur an den Strand.