Beiträge von blahwas

    Achso - das hatte ich früher an der Versys auch, weil mich die Voreilung genervt hat. Auf Dauer habe ich aber eine Verzögerung empfunden zwischen Realität und Tacho und es wieder ausgebaut. (Aber die 7% Rabatt auf Inspektionen waren schon nett, denn der Kilometerzähler geht normalerweise richtig, auch wenn der Tacho vorgeht ;) )

    21.04. Mad Rider 2, Transfer, Reifenjagd


    Heute mache ich die restlichen Pässe im Mad-rider Norden, und dann geht's stark nordwestlich. An der Nordküste Spaniens (und ihrem Hinterland) lauern zahlreiche Passknackerpunkte für mindestens eine Woche Kurvenspass. Bekannteste Region sind wohl die Picos de Europa. Ansonsten habe ich einen Reifenhändler auf halbem Weg des Transfers in der Route und hoffe, das er offen hat, wenn ich komme, und dass ich da was kriege.


    Einpacken geht routiniert, Motorrad ist noch da, Kette wurde gestern Abend frisch gesprüht. Frisch ist auch eine zutreffende Beschreibung für das Wetter, daher geht's in Regenkombi los. Und schon wieder aus dem Hochtal (800 Meter) hoch in die Berge (bis 1880 Meter). Wie immer kein Verkehr, und heute überwiegend gute Straßen. Daran kann man sich echt gewöhnen. Ich frage mich, was hier, eine Stunde außerhalb von Madrid, wohl am Wochenende los ist? Vermutlich nichts, sonst wären da mehr Lokale.






    Mit Kühen muss man immer rechnen, mit oder ohne Gatter.



    Ich komme so gut voran, dass ich guter Dinge bin, es vor der 14-16 Uhr Mittagspause zum Reifenhändler in Valladolid zu schaffen, also mache ich gegen Ende etwas mehr Tempo. Das klappt leider nicht, denn der letzte Abstecher zum Puerto de la Quesara entpuppt sich als Bröckelpiste mit Kies drauf, noch dazu mit Wanderbaustelle - und da muss ich zwei Mal durch.



    Hektik ist da kein guter Begleiter. Die 160 km nach Valladolid hätte ich dann mit einem Schnitt von 110 km/h fahren müssen - und das auf einer zweispurigen Bundesstraße mit LKW-Verkehr und Ortsdurchfahrten, aber nicht zu schnell, sonst droht noch ein Tankstopp. Ne, das ist mir zu wild, ich gebe mich geschlagen und hoffe auf eine Notbesetzung während der Siesta.


    Der Stadtverkehr von Valladolid kündigt sich durch einen Rückstau an. Ich habe in Sevilla aufgepasst und zaubere mich durch. Eine BMW mit Koffern folgt mir. Oha, da bin ich empfindlich, seit ich mal einem Trickbetrüger auf einer BMW mit Koffern in Deutschland aufgesessen bin. Also darf er gerne vor. F800GT, Turnschuhe, LS2-Helm - okay, das ist unverdächtig, da fahren wir mal hinterher. Im spanischen Stadtverkehr gibt es für Zweiradfahrer ungefähr zwei Regeln:


    1. Es wird gefahren, wo Platz ist.

    2. Wenn einmal gefahren werden soll, wo kein Platz ist, kann man davon ausgehen, dass die anderen Platz machen.


    So komme ich dann zügig zur Anschrift des Reifenhändlers, und bin schon 14:05 da. Das Tor ist zu, die Tür verrammelt, klopfen und rufen führt zu keiner Reaktion. Das ist schade. Ich warte jetzt aber nicht 2 Stunden auf das Ende der Siesta und dann noch mal eine Stunde auf die Arbeit, wenn ich überhaupt direkt drankomme, und nicht jemand vor mir dran ist. Dann wäre ich bei 4 Stunden und damit dem halben Fahrtag. Also weiter.


    Einen Versuch wert scheint die Stadt Léon zu sein, benannt nach dem VW Golf von Seat ;) 115 km weiter, und ein großer Reifenhändler dort macht schon um 15:30 wieder auf. Da gondle ich dann mal hin auf der nächsten Bundesstraße hin. Das ist ganz schön ermüdend. Gähnen während der Fahrt ist kein gutes Zeichen. Außerdem ist mir kalt. 11 Grad bei Bewölkung, brr. Also Pause am Feldweg, Snack rein, Beine vertreten, und dann den Rest runter reiten. Eine kleine Schrecksekunde liefert noch eine aufgegebene Tankstelle, aber mit 45 km auf Reserve kommt ich noch zur nächsten. Der 1 L-Kanister beruhigt zwar, aber am Straßenrand tanken, wenn LKWs mit 120 km/h vorbei pfeifen, ist auch nicht so das allerangenehmste. Der Reifenhändler in Léon ist schnell gefunden, und der ist wirklich groß. 6 Hebebühnen, alle direkt von der Straße anzufahren. Ich parke vor der ersten, das Auto hat eh grade keine Räder drauf. Bevor ich den Helm runter und die Maske drauf habe, werde ich schon vom Chef angesprochen, was ich wünsche.


    Er steht meinem Problem mitfühlend gegenüber und notiert sich die Reifenmaße der Yamaha. Er wühlt im Computer, ich erblicke einen Satz TKC70 im Schaufenster - zumindest der Vorderreifen wäre erste Wahl für die Bröckelpisten, weil er super Rollsplit verdrängt, ohne echte Nachteile aus Asphalt, aber leider ist es ein 19"er. Und einen Felgenumbau wollte ich jetzt nicht auch noch angehen. (Obwohl!?) Das Hinterreifenmaß 170/60 R17 TKC70 steht bereit, und das hätte ich statt 180/55 R17 eh gern mal probiert, aber hinten brauche ich eher mehr Reichweite als ein TKC70 bietet. Es sind leider keine passenden Reifen in meinen Maßen auf Lager, aber es werden mir für morgen früh 10 Uhr je 1 Satz Pilot Power oder Conti Road Attack 2 angeboten, beide je 220 Euro inkl. allem. Okay, nicht meine Traumwahl, aber wird funktionieren. Die Nacht kann ich hier in der Stadt genauso gut wie andersrum verbringen, ich bin eh schon müde.


    Also flugs eine Unterkunft gesucht. Léon ist eine Großstadt, es gibt hier Hotel, Hostels und BNB. In den Bewertungen lese ich schon von liebevollen und gesprächigen Wirten - nein, Leute, es ist Covid - und ich suche mir ein Hotel. Es fällt ziemlich modern aus. An der Rezeption werde ich von einem schneidigen Angestellten ausgezeichnet bedient. Es gäbe eine Garage für 6,60 Euro, aber der Chef parkt sein Motorrad immer neben dem Eingang, da ist 'ne Kamera, und das darf ich auch. Da sagt man: Danke!


    So, nach dem Check-In und auspacken wollte ich eigentlich noch los, tanken, einkaufen und vielleicht Motorrad waschen... aber es fällt mir echt schwer. Ich muss mir eingestehen, müde zu sein und keine Lust mehr auf Motorradfahren zu haben. Ich bin ja auch gerade fast 300 km Bundesstraßen und 2x Stadtverkehr gefahren, und davor 200 km Pässe. Nebenan ist eine Pizzeria und neben dem Reifenhändler sind diverse Supermärkte. Da kann ich die Wartezeit morgen sinnvoll nutzen. Passt so. Umparken und ab in die Badewanne :)


    Zielerreichung:

    31,9% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    6800 km gefahren seit Urlaubsbeginn 10.4.

    2 Reifen runter, 2 Reifen bestellt

    20.4. Sierre de Gredos 1/2


    Nördlich von Madrid ein paar Passknackerpunkte in Ost-West-Richtung. Genug für etwa 2 Tage Touren. Warum die da liegen, wusste ich nicht, wird ja hoffentlich kein Quatsch sein. Von der Region hatte ich aber noch nie gehört. Technikmäßig hat meine BNB-Wirtin für mich bei einem motorradaffinen Reifenhändler angerufen, den ich morgen oder übermorgen erreichen werden, um mal vorzufühlen in Sachen Termine, Lagerbestände und ob ich mir etwas hinliefern lassen kann/muss. Als er gehört hat, dass ich MT-09 fahre, konnte ich ihn übers Telefon lachen hören - so üblich sind die Reifendimensionen. Also einfach hinkommen und ca. eine Stunde warten. Prima, aber das ist ein Thema für später. Heute werden Pässe gefahren. Dann mal los!


    Der erste Pass zieht sich eine Weile und die Straße ist eher bröselig. Ich mache mir Sorgen, ob das den ganzen Tag so bleiben soll. Auflösung: Nein, es wird besser. Und auch wieder schlechter. Ein Wechselbad der Straßenoberflächen.



    Insgesamt alles sehr hoch hier. Auch in den Ebenen stehen über 1000 Höhenmeter auf dem Navi. Die Passhöhen gehen bis 1909 Meter hoch. Es ist weitgehend einsam hier. Kühe sind ein großes Thema.





    Es hat 6-16 Grad je nach Höhenlage, was in der Goretexjacke dank der Sonneneinstrahlung auch auf einem Naked Bike gut geht. Später zieht der Himmel zu und ich habe 10 Minuten Regen. Da muss es dann schon die Regenjacke zusätzlich sein.



    Fürs Mittagessen decke ich mich im Aldi von Avila ein. Avila scheint eine Retortenstadt zu sein. Der Aldi ist seltsam leer, aber außer mir sind noch zwei andere Ausländer im Laden und sprechen Schweizerdeutsch. Oho. Meine Vorräte waren erschöpft, so kaufe ich groß ein und halte 15 Minuten später an einer Kuhwiese zwecks Mittagessen. Da kommt halbe Herde zum Glotzen an, was ich da treibe.




    Gegen Ende noch eine Straße mitten durch einen See?



    In den Tälern hat man gerade und übersichtliche Straßen. Die Pässe sind entweder supereinsam und etwas verfallen, oder super ausgebaut und mit ein wenig Verkehr drauf. Auf letzteren sind sogar ein paar Blitzer. In Summe eine faszinierende Gegend, die außerhalb von Spanien wohl niemand kennt. Zur Nächtigung suche ich mir 18 Uhr ein Hotel, buche aber heute mal vorab per Booking. Es ist in der Nähe der Hauptstrecke nach Madrid, aber ruhig gelegen, seit die LKW hier nicht mehr direkt vorbeifahren dürfen. Damit entfiel anscheinend aber auch 90% der potentiellen Kundschaft. Morgen geht's ca. 4h weiter mit der Region hier, und dann ganz in den Nordwesten von Spanien, mit Stopp beim Reifenhändler. Die üblichen Arbeits-/Öffnungszeiten hier sind übrigens 9-14 und 16-20 Uhr.


    Zielerreichung:

    28,8% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    1823 Kehren laut Passknacker

    9 von 10 Zehennägeln tun nicht weh

    19.4. Andalusien Teil 4, Transfer nach Norden


    Heute mache ich Andalusien fertig und dann wechsle ich in den Norden Spaniens. Portugal ist abgehakt, man würde mich nicht reinlassen. Die Webseiten der portugiesischen Ministerien machen glaubhaft, dass alle Grenzübergänge kontrolliert werden, oder geschlossen sind. Das Argument "Transit" zieht leider auch nicht, weil dahinter kein Land mehr kommt.


    So starte ich Ronda westwärts und sammle die restlichen Punkte ein. Wieder mal wundervolle Landschaft hier.





    Kurz vor Ubrique überlege ich entlang der Bundesstraße fahrend, ob ich an die Tankstelle ranfahren soll, als ich dahinter eine Polizeisperre sehe, die jeden Autofahrer anhält und anspricht. Ich sollte wirklich an die Tankstelle ranfahren! Und nach dem Tanken erst mal frühstücken, z.B. bei den Waschboxen außerhalb der Sichtweite der Kontrollstelle. Dort ist auch ein Zaun. Im Zaun ist ein Tor. Das Tor ist auf. Dahinter geht es zu einer anderen Straße. Die führt zwar nicht unmittelbar in meine gewünschte Richtung, und sind 70 km Umweg, das macht aber nichts, denn da kommt noch mehr wundervolle Landschaft :)




    Und auch dieser Schilderwald hier ;)



    Dann kommt der letzte Passknackerpunkt für mich heute, und damit ist Andalusien vollständig :)



    Und damit auch der Süden Spaniens. Der nächste Punkt ist 540 km weiter nördlich. Na dann, hilft ja nix, fahren wir mal los. Der schnellste Weg wäre zunächst nach Süden, und dann einen großen Autobahnbogen. Ich starte lieber nach Norden, nach Arcos de la Frontera. Kurz vor Jerez rechts, und dann Autobahn und Autobahn und Autobahn. Auch durch Sevilla, wo die Autobahn in eine Stadtautobahn mündet, die sich über eine beeindruckend hohe Brücke über den Guadalquivir quält. Die Fahrbahn hat 5 Spuren, und die mittlere davon wird mit Lichtzeichen für diese oder jene Richtung freigegeben. Rückstau auf allen Spuren, Rollerfahrer wollen sich durchquetschen, 26°, Chaos, ich mittendrin, bleibe cool und bin nicht letzter. Nördlich von Sevilla ist die Autobahn dann wie ausgestorben und ich döse mit Tempomat die restlichen 370 km runter. Gegen 18 Uhr ist Zielerreichung, und ich suche mir ein Hotel in der Nähe des ersten Passknackerpunktes. Es wird ein Hostal. Das kann alles heißen von Hotel bis BNB. Dieses hier ist eher BNB und nicht so recht drauf eingestellt, dass heute jemand rein wollte. Man schickt mich für 30 Minuten weg, "in ein Cafe oder so". Da habe ich andere Pläne. Kuchen und Würstchen aus dem Tankrucksack wollen in meinen Magen. Findet mein Magen. Leider beginnt es gerade zu regnen, also sucht der gemeine Motorradgammelreisende sich einen Baum mit dichtem Blattwerk, und findet noch eine Bank dazu. Mahlzeit!



    Auch das Motorrad kriegt noch einen vollen Tank, Zeit ist ja, und dann ist das BNB auch schon fertig. 28 Euro. Leider mit ausführlicher Übergabe inkl. Antatschen von allem und ohne Lüften. Das hole ich dann mal nach.


    Heute sehr viel Autobahn, insgesamt 690 km, dafür morgen nur Pässe :) Der Hinterreifen ist noch gut, der Vorderreifen hat heute auch kaum gelitten und hält noch zwei Tage. Bis dahin findet sich bestimmt etwas, und dann kann auch der Hinterreifen neu, dann ist das Reifenthema für diesen Urlaub erledigt.


    Zielerreichung:

    23,4% von 295 spanischen Passknackern geschafft

    Ca 8 Tage übrig für Nordspanien

    0 Umfaller, 1 Unfall


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    Danke für die Grüße. Spanien kann ich sehr empfehlen. Wer die Anreise scheut, nach Malaga gibt's günstige Flüge und dort vermietet auch jemand günstige Yamahas. Das lohnt schon an einem verlängerten Wochenende und geht fast das ganze Jahr, nur im tiefsten Winter doch eher die Kanaren.

    Der Tracertank ist auch ned gerade besonders groß.


    Wäre derTausch plug n play, fänd ichs ok, aber die Kollateralmods sind mir wg. 2-3 Litern die Sache w.o. beschrieben too much.


    Den Tank könnte man vlt. mit Überdruck vergrößern? -Immerhin isses bei verstopfter Belüftung möglich ihn zu verkleinern:lachen:

    Der Tracertank ist genau 4 Liter größer. Pflichtändernug ist eigentlich nur die Sitzbank, die muss vorne gekürzt werden. Das mit dem Plastik ist Fleissarbeit, es geht auch ohne Anpassung der naked-Seitenteile (bzw mit 10 Minuten Feilen) und ohne Tracer-Seitenteile. Ich wollt es halt möglichst original aussehend haben.

    Als ich gestern getankt hatte schaute ich doch recht überrascht auf die Anzeige der Zapfsäule - ich hatte zwar vorher gut am Kabel gezogen und die Reserveleuchte war seit ca. 37 km an aber damit hatte ich nicht gerechnet. Aber vielleicht leiert so´n Tank nach 100.000 km ja auch aus....


    Entspannte Grüße

    Stoppelhopser

    Glückwunsch zum Volltanken :) Da komme ich nicht mit.



    Ketzerische Frage: Was wäre denn, wenn die Zapfsäule nicht ganz so genau geeicht wäre, und immer ein wenig zuviel anzeigt? Das würde dem Tankstellenbetreiber sicher schlaflose Nächte bereiten ;)

    18.4. Andalusien Teil 3, Sonntagsrun auf Ronda


    Morgens erwacht, dem Fuß geht's gut. Wunderbar. Dann auf zu frischen Taten? Oder lieber erst mal Routen planen für den Plan B? C?, dass Portugal mich nicht reinlässt. Zuhause habe ich Nordspanien schon komplett durchgeplant. Zuhause. Nicht auf diesem Laptop, und nicht in der Cloud. Naja, ist ja keine hohe Kunst, also in einer halben Stunde mal eben eine 4000 km-Pässetour geplant. Dazu noch die Überführungen. Drei Tag vor Arbeitswiederantrittstermin abbrechen und dann per AB heim quälen oder einen passenden Flug suchen und den Flughafen ansteuern, idealerweise mit Stellplatz fürs Motorrad bei einem Hotel in der Nähe. So, jetzt aber los! Aber vielleicht etwas vorsichtig, denn der Vorderreifen ist über Nacht nicht gewechselt worden und noch immer nah dem Minimum und vorne mit Sägezahn.


    Der erste Pass heute ist der Puerto del Viento. Der ist sehr schön, und an den kann ich mich gut erinnern von den zwei Reisen, die ich hier schon gemacht habe. Mich beschleicht aber das Gefühl, das da etwas fehlt. Also Handy raus, ins OSMand geguckt, wo ich die Passknackerpunkte drin habe (offline): Jawohl, da fehlen drei Pässe zwischen dem Hotel und hier. Ich ärgere mich über den Zeitverlust, aber dann fällt mir ein, hey, jetzt muss ich den ganzen schönen Pass wieder runter fahren! Und ich kenne jetzt schon die Gefahrenstellen! Und die bröselige Strecke MA-540 kann ich jetzt auch vermeiden! Mangels Portugal geht mir auch nicht mal Zeit aus am Ende! Es ist Sonntag, die Sonne scheint, ich fahre Motorrad in Andalusien und muss noch zwei Wochen nicht arbeiten. Mir kann heute echt alles andere egal sein.


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    Also geht es wieder östlich, über prima Kurvenstrecken, flotte Bundesstraßen, und durch eindrucksvolle Landschaften. Da Sonntag ist, sind auch andere Motorradfahrer unterwegs. Insbesondere zwei Großrollerfahrer, Honda X-Adv, fallen mir auf. Auf der Bundesstraße überholen sie mich, nachdem ich ein paar Autos überholt habe. Ihr Reisetempo ist höher als meines, ich will ja Sprit sparen. Sie halten sich strengstens an Überholverbote, ignorieren Tempolimits aber komplett. Interessant. Das gucke ich mir mal aus sicherer Entfernung an. So bügeln wie die A-367 auf Ronda zu. Ronda ist der Fluchtpunkt der Motorradszene. In Andalusien, und eigentlich auch europaweit. Hier in der Region testen Industrie und Presse, nicht nur im Winter. Und die A-397 runter nach Marbella ist eine der Traumstraßen der Welt. 55 km ohne dass geradeaus geht, breite Strecke, ebener Belag. Am Wochenende ist hier Rennbetrieb. "60" Schilder offenbaren, dass im 6. Gang gefahren werden soll.


    Und hier führt meine Route jetzt entlang - nicht nur, weil da auch ein Passknackerpunkt drauf ist. Die beiden Rollerhelden vor mir biegen ebenfalls links ab. So lasset die Spiele beginnen. Wie bisher werden Überholverbote peinlichst eingehalten. Es wird ordentlich Schräglage gefahren, auf der typisch südeuropäischen Unsicherheitslinie. Das Tempo passt für mich gut. Für meinen Vorderreifen nicht so sehr, der untersteuert schon mal am Kurvenausgang. Ein ziemlich blödes Gefühl, wenn man Lenkimpuls gibt, aber der Reifen nicht mitspielt. Man nehme eine halbe Kohle aus dem Feuer. Wir laufen auf eine GSX-R auf. Der Fahrer trägt Lederkombi und Knieschleifer. Die Rollerfahrer versuchen nicht zu überholen, sondern halten 2 Meter Respektabstand. So eilt diese spontane Gruppe ins Tal, und die Lebensfreude quillt aus allen Körperöffnungen. Beim Passschild mache ich mein Nachweisfoto, dafür muss ich sie ziehen lassen. 1 km weiter stehen sie an einem Cafe, ich grüße freudig. Noch 1 km weiter kommt Section Control!??! Okay, laut Navi 22 km bis zum Ende der Strecke, macht bei Tempo 60 22 Minuten. Ich wollte eh gerade Pause machen. Genau hinter dem Section Control Start-Gerät ist ein Rastplatz - genial! :) Stoffwechsel, Snack, eine Schicht ausziehen, auf die Uhr schauen. Welches Durchschnittstempo hätte ich denn gerne? Die Rollerfahren tauchen am gleichen Parkplatz auf, halten aber Abstand. Jethelme und Alltagsklamotten, holla die Waldfee. Dran bleiben ging, überholen wäre nicht gegangen. 115 PS = 60 PS mehr hin oder her. Vielleicht mit intaktem Vorderreifen und ohne Gepäck.


    Nützt ja nix, weiter fahren. Was sagt eigentlich der Sprit? Seit 17 km Reserve? 22 km zur nächsten Kreuzung, wo in meiner Erinnerung eine Tankstelle sein müsste? Das wird knapp. Ich habe noch den Kanister dabei, aber ich lasse es mal drauf ankommen. Es geht ja bergab. Der Straßenzustand ist inzwischen eher eine 3. Es sind Querrillen in den Kurven entstanden. Das gibt Abzüge in der B-Note, aber so lange die Rasten in der Luft bleiben, macht das nichts.


    Wieder in den Verkehr eingefädelt fahren alle sehr anständig. Dann kommt wieder ein Section Control-Gerät und ich bin unsicher, ob's schon das Ende ist, oder ein mittleres. Da ich von anderen Motorrädern überholt werden, war es wohl das Ende. Okay, Entspannung, und den Einheimischen anpassen. Man hat ja Respekt vor den kulturellen Bräuchen. Ein Varadero 1000-Fahrer fährt 95% von meinem Wohlfühltempo, da fahre einfach ich mal hinterher, bis runter ins Tal. Dann ran an die Tanke und voll gemacht: 13,98 Liter - von 14. Top! Im Shop Würstchen gekauft und etwas weiter westlich wieder hoch den Berg, zum Puerto de Penas Blancas. Diesen Punkt möchte mein Navi das dritte Jahr in Folge nicht auf Straßen anfahren, die tatsächlich legal und sinnvoll befahrbar sind. Das ist schon das dritte Kartenmaterial mit den gleichen Fehlern. Immerhin ist die Aussicht top.


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    Es geht den gleichen Weg wieder zurück, wobei das Navi neue Ideen hat, mir den Weg zu versauen. Rechts ab in die Ministraße, die zum Trampelpfad wird? Oder lieber die Sackgasse zum Anwesen von Graf Willstenichtwissen von Woderseingeldherhat? Oder mal Fußgängerzone, durch die Cafes durch? Immer wieder gerne, wollte mir hier eh 'ne Wohnung suchen. Die Zeichen sind eindeutig ;) Auch im Tal wird's nicht besser, ich muss ein Stück nach Westen, und biege versehentlich auf die Mautobahn ein. Immerhin in die richtige Richtung. Den Euro Fuffzich kann ich verschmerzen. Dann geht's die A-369 wieder hoch nach Ronda, durch Algatocin, wo ich mein Basislager beim ersten Andalusientrip mit der gemieteten MT-09 hatte. Die A-369 ist inzwischen in etwas schlechterem Zustand. Ich erinnere mich aber an ein Cafe, und an mir nagt der Hunger. Außerdem ist bald 17 Uhr. Cafe entdeckt, rein da. Es ist wenig Betrieb, sichere Abstände sind gewährleistet. Im Außenbereich ist es warm und schattig. Der Grill ist besetzt. Ideale Voraussetzungen für mein erstes Restaurantessen seit ungefähr 5 Monaten. Ich hätte fast geweint.


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    So, jetzt noch ein Hotel suchen. Obligatorische Frage, noch länger fahren, oder einfach in Ronda? Ronda wollte ich mir eh mal ansehen. Und platt genug bin ich auch schon. Außerdem ist Sonntag. Okay, gegenüber vom Bahnhof ist ein günstiges 1*-Hotel mit guter Google-Bewertung, wo man halbwegs in der Nähe eine realistische Chance auf einen kostenlosen Parkplatz hat - der Unterschied zur historischen Altstadt. Ich darf sogar direkt am Hotel "Hier nur während des Checkin"-Platz parken. Das Zimmer kostet 25 Euro und hat alles was ich brauche. Das klappt echt gut so mit gucken bei Google, dann einfach hinfahren und mit 3 Brocken spanisch für eine Nacht zahlen.


    Nach dem Abrödeln kommt noch der Stadtspaziergang. Historisches Gemäuer, viele Menschen auf den Straßen, in den Cafes und den Geschäften, die sonntags offen sind. Dem Fuß ist das völlig gleichgültig. Der fühlt sich an, als wäre ich heute morgen umgeknickt. Nur Kopfsteinpflaster in Turnschuhen mag er im Moment nicht so. Motorradstiefel sind ebenso gut für den Fuß wie ein Gips, aber damit wollte ich nicht durch die Stadt laufen. Hier ein wenig Kultur! Fotoausbeute Ronda:


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    Morgen schließe ich mit Andalusien ab und mache mich auf den Weg nach Nordspanien. Nördlich von Madrid liegen genug Passknackerpunkte für zwei Tage, plus 500 km Überführung dorthin. Vielleicht laufen mir auch 1-2 neue Reifen über den Weg.


    Zielerreichung:

    21% von 295 spanischen Passknackerpunkten

    Reisetag 9 von 23

    12,3 Meter Ladekabel im Gepäck