Ich bin noch lange nicht fertig ![]()
Manuel berichtet noch von seinem Sonntag, wo er sich mit einer Instagrambekanntschaft getroffen hat:
[quote]Ca. eine halbes Jahr vorher bekam ich mit, dass ein Bekannter von Instagram in der Nähe von Lyon wohnt, in meinem Alter ist, ziemlich gut (wie sich beim Treffen herausstellte wesentlich besser als ich) Englisch kann und viel fährt. Viel heißt für ihn 500 km am Tag durch die Alpen, ok mit einer Kawa GTR 1400 auch kein Kunststück. Ich unterrichte ihn also im Februar von unseren Plänen und wir machen ca. 2 Wochen vorher einen Treffpunkt aus. Er wohnt zwischen Lyon und Genf und ich schlage vor, dass wir uns südlich von Grenoble treffen, damit wir jeweils die Hälfte an Anfahrt haben. Ich suche eine Tankstelle heraus. Später stellt sich zu meiner Freunde heraus, dass direkt ums Haus eine Bäckerei ist.
Also morgens um nach Acht die Kaffeetränke des Campingplatzes aufgesucht, einen Kaffee einverleibt und dabei Komplimente für die Kawa bekommen. Danach ging es auch schon los, geplant ist die N85 ab Gap zu nehmen, die sogenannte "Route Napoleon". Diese Route hat der kleine Herrscher zurück von seiner Verbannung von Elba genommen um wieder nach Paris zu kommen. Zwischendurch knacke ich noch den Col Bayard, der sogar ein Video verdient hat, wer er sich so schön fahren lässt.
Ich merke unterwegs, dass meine Kippen leer sind und möchte neue kaufen (ich rauche gerne beim Motorradfahren in den Pausen, aber auch fast nur da). In Frankreich ist das nicht so einfach, das es Zigaretten nur in den dafür vorgesehenen Shops, aber nicht an der Tankstelle oder so gibt.
Ereignislos geht es nach Vizille und ich bin sogar 10 mins eher am Treffpunkt als gedacht. Yves ist nicht direkt die Strecke über die Autobahn gefahren, sondern nimmt auch noch paar Ds unter die Räder und schickt mir zwischendurch per Whatsapp seinen Standort. Ich merke, dass ich mir noch etwas Zeit lassen kann. In der Tanke direkt gabs schon einen Kaffee. Danach ging's in die Bäckerei ums Haus, ich sehe die gerade angesprochene Nachricht von Yves und bestelle nicht nur "deux pain au chololat" sondern auch noch "une Cafe au lait". Den lasse ich mir dann schmecken und bald sehe ich eine blaue GTR1400 mit einem von Bildern bekannten Fahrer. Hat trotzdem was von Blind Date und ich war vorher sichtlich aufgeregt wie das sprachtechnisch wohl laufen würde. Aber: alles safe, er konnte wie gesagt wesentlich besser als ich Englisch. Ich unterrichte Yves darüber dass ich noch Kippen kaufen muss und er nur so... "well, mate, we'll find something". Ich hatte geplant nach Alpe D'Huez hochzufahren, weil ich das auch Kindheit noch aus dem Fernsehen kenne wo sich auch welche auf zwei Rädern den Berg hochquälen. BDR merkt den Abend vorher noch an, dass es am Sonntag ziemlich voll werden könnte. Danach war weiter geplant weiter nach Süden und ein bisschen um den Quark zu fahren. Daraus wurde leider (zum Glück) nichts. Als ich Yves fragte, ob der die Route noch hat, sagte er nur "Yes, i have it, but should we drive the Galbier?" Das lass ich mich nicht zweimal fragen. Also ab Richtung Alpe. Ich habe Ihn vorfahren lassen und dabei ein zwei Lektionen französischen Fahrstil gelernt bekommen. Hoch nach Alpe d'Huez war weniger Fahrradverkehr als gedacht und die Straße ist auch breiter als im TV zu sehen. Schöne Strecke da hoch. Oben quatschen wir ein bisschen, suchen den nächsten Tabakladen, der aber am Sonntag zu hat. Naja, so groß ist die Sucht auch wieder nicht. Auch bemerkt Yves, dass ich jetzt sagen kann das ich Alpe d'Huez mit einem Bike gefahren bin.
Runter von Alpe d'Huez geht es entweder den Weg den wir gekommen sind oder aber über die Col de Sarenne. Der Weg ist asphaltiert, schmal aber gut zu fahren und wenn er mit seinem Dickschiff da lang fahren will wird das die grazile Schwester auch schaffen. Ich bin schon schlimmeres mit der Tracer gefahren. Zwischendurch überholen wir zweimal einen Niederländer mit einer SV1000S, der sich sichtlich unwohl auf der Straße fühlt so verkrampft wie er draufsitzt. Zweimal, weil ich zwischendurch natürlich einen Nachweis für dieses Passknackerinternet machen muss.
Runter den Pass laufe ich mehrmals auf Yves auf und schnupfe ihn in einem unachtsamen Moment auf, weil es mir doch etwas zu gemütlich zugeht. Danach kommt die Heizerstrecke vor dem Herrn, der Col de Lautaret. Eine wahnsinnig geile Strecke, mit top Belag und super zu fahren. Ich muss mich zügeln damit die Zahlen nicht zu sehr dreistellig werden. Die GTR hat Mühe dran zu bleiben, so geil gehen die Kurven. Oben am Lautaret stoße ich nur ein "what a proper road" aus. Im Restaurant auf dem Pass verquatschen wir uns etwas länger, was aber dafür sehr interessant ist. Wusstet ihr, dass das mobile Standarddatenvolumen 20GB für 25 € sind... https://boutique.orange.fr/mobile/forfaits-orange und ich dachte ich bin günstig mit 8GB für 25 €... und das die Generation 50+ in der Schule als erste Fremdsprache Deutsch anstatt Englisch hatte? Und sich nur nicht traut das zu sprechen weil sie die Aussprache verlernt haben (die Erfahrung habe ich paar Tage später gemacht, als mir eine Bäckereiverkäuferin "Gute Reise" gewünscht hat und ich vorher auf französisch bestellt hatte...). Auch sehen wir paar schöne Ducatis rumstehen (Mulit1200, Panigale 1299 und V4) und philosophieren darüber, welche wohl was für uns wäre... für mich definitiv die Multi1200.
Oben am Galiber wird Yves, aufgrund seiner vielen Aufkleber auf den Koffern (die war schon in Montenegro und so) von einem älteren Pärchen aus der Bretange angesprochen. Er ist 78, sie 76 und sie fahren auf einer betagten Royal Enfield von Campingplatz zu Campingplatz. Als er merkt, dass ich aus Deutschland komme und nur so ein bisschen Französisch verstehe erzählt er mir in guten Deutsch, dass er mal als Vertreter in Deutschland war. Schon geil.
Aufgrund der schon fortgeschrittenen Zeit und der prognostizierten Ankunftszeit von 19 Uhr mache ich mich auf die Reise und verabschiede mich von Yves, toller Typ.
Den Lautarat nach Briancon runter laufe ich auf eine Gruppe Motorradfahrer aus Österreich auf und wir überholen zusammen eine Kolonne Autos die sich hinter einen Bus staut. An einer Stelle ist man sich mit dem Gegenverkehr nicht ganz einig und ich habe es echt schon knallen gehört, so eng war das. Der Transporter war schon mit dem rechten Rad auf dem Grünstreifen und der Motorradfahrer hat einen argen Schlenker gemacht. Im nächsten Ort merke ich nur wie die Gruppe das Geschehe ausdiskutiert.
Auf der N94 von Briancon zum See komme ich gut voran und habe einen flotten Amarok aus Italien im Schlepptau. Mensch, der war echt flott unterwegs. Einer der vielen Blitzer hätte mir fast eine Erinnerung beschert, aber zum Glück waren da bummlige Autos vor mir. Unten am See mache ich dann tropical House an und genieße beim Kurvenfahren das Leben. Mensch, hier könnte man glatt Urlaub machen.
Es waren 350 km.