So 23.6. St. Sebastian
Manuel fährt heute solo und trifft sich mit einer Internetbekanntschaft. Der Rest der Truppe fährt unter meiner Führung nach Norden, zum Col St-Sébastian. Wir kaufen unser Frühstück am Wegesrand und suchen uns dann eine schöne Stelle zum Verzehr. Der Col Lebraut ist der erste Höhepunkt: Übersichtliche Serpentinen, einheimische Sportwagen, gerne auch der französische Klassiker Alpine A310:
Weiter oben gibt es einen Aussichtspunkt mit Sicht über den Staudamm, auf den See und die dorthin führende Kurvenstrecke erscheint uns geeignet. Der Parkplatz hat auch seinen eigenen kleinen See, für Motorradfotos. Das lässt sich aushalten für unser Frühstück.
Es folgen drei kleine Passknacker nördlich von Gap, wobei zumindest der erste noch eine ordentliche Passhöhe hat: Col de Moissière, Col de Manse, Col Bayard. Da kann man auch mal ein Teilgruppenfoto machen.
Dann bummeln wir etwas die Hauptstrecke entlang zum Col du Noyer, der aber leider wegen einer Sportveranstaltung gesperrt ist, wie uns ein geduldiger Streckenposten und Motorradfahrer erklärt. Leider gibt es keine naheliegende Umfahrung, hier steht ein ordentlicher Gebirgszug in Nord-Süd-Richtung im Weg. Wir trösten uns also mit ein paar mittelprächtigen Passknackerpunkten, um weniger dröge nach Norden zu kommen: Col des Festraux, Col de l’Homme, Col de Parquetout. Der gestrige Regen ist heute völlig vergessen, wir braten in der Sonne. Michael hat leider nicht genug Getränke dabei und wir haben es versäumt, vormittags einzukaufen, was sonntags durchaus geht. Sonntagnachmittags wird es schwer. Tankstellen haben in Frankreich sonntags zwar offen, aber normalerweise keine Shops. Wir kehren also halb aus Verlegenheit in ein Café ein.
Danach geht es weiter zum Tagesziel, dem Col St-Sébastien, wo sich unser Sebastian vorletztes Jahr von der Brücke gestürzt hat – auch heute wird hier wieder Bungee Jumping angeboten, aber wir verzichten. Dann folgen ein paar kleinere Passknacker, und bei einem finde ich es eine gute Idee, möglichst nah am Schild zu parken, auch wenn der Boden dort nicht verdichtet ist. Aber seht selbst, wie das von außen und der Gopro so aussah…
So eröffne tatsächlich ausgerechnet ich die Pannen- und Umfallerwertung: Jo 1, Ma 0, Mi 0, Se 0. Immerhin habe ich den Umfall noch gebremst, und der Lenker bleib dabei auf geradeaus. Wegen des weichen Bodens geht nichts kaputt, und weil das Motorrad schon dem Vorbesitzer sehr heftig auf diese Seite gefallen ist, könnte man wahrscheinlich selbst auf festerem Boden keine Spuren sehen. Wir fahren unbeirrt weiter nette kleine Strecken.
Im weiteren Weg halten wir an einem Campingplatz, damit Michael endlich Getränke kaufen kann. Sebastian und ich suchen derweil Schatten – es ist warm!
Nun folgen wieder Bundesstraßen. Michael erblickt jedoch eine verlockende Abzweigung, und so wagen wir einen Abstecher ins Unbekannte.
Der Weg wird natürlich zu Schotter, und führt ewig weiter. Augenscheinlich darf man hier auch fahren. Die Strecke ist zwar nicht anspruchsvoll, aber ich lasse mich zurückfallen, weil ich keinen Staub schlucken mag.
An einer Tafel sehen wir die Übersicht der Region, und diese Strecken gehen ewig weiter. Wir beschließen, umzukehren. Wer's selbst probieren mag: Koordinaten 44.556123,5.767329. Zurück an der Hauptstrecke suche ich noch eine Waschbox, um den Staub von meiner schönen Nicht-Enduro zu waschen. Sebastian und Michael haben genug für heute und wollen nicht warten, daher fahren sie schon mal vor. Ich wasche meditativ mein Motorrad und stelle danach fest, dass er gesamte Platz zwischen Straßen und Waschbox fingertief geschottert ist. Na klasse! Dann kann man nach 20 Metern die Felgen ja gleich nochmal putzen. Für mich folgen ein paar Kilometer Bundesstraße, und dann sammle ich noch einsame Passknackerstrecken. Schöne Landschaft und Aussichten, praktisch null Verkehr, Ende der Welt-Feeling. Und viele Insekten auf Visier und Gopro…
Gegen Ende dämmert es schon etwas, aber ich bin vor 20 Uhr am Campingplatz. Wir haben uns auf 20:30 als Zeit fürs Abendessen geeinigt. Dank der kurzen Wege zwischen Motorrad, Zelt, Dusche und Restaurant kriegt man das gut hin.
Meine Tagesroute waren heute 373 km:
... und Michael ergänzt:
ZitatAlles anzeigenDa fehlt aber noch eine kleine Anekdote:
Nachdem Blahwas sein Motorrad so elegant abgelegt hatte - wir standen etwas abseits und hatten schon überlegt, ob die sehr schräg stehende 09 nun kippen wird oder nicht :grin: - fuhren wir weiter ohne vorher noch durch kleine Sticheleien Öl ins Feuer zu gießen.
Blahwas vor Sebastian und mir gelangen an eine Kreuzung, an der das Navi uns rechts abbiegen lassen will. Blahwas biegt elegant ab, dicht gefolgt von Sebastian. Ich frage mich kurz, warum die beiden in der Parkbucht wollen. Blahwas greift in die Bremsen als die vermeintliche Abbiegespur an einem Bordstein abrupt endet.
Ich halte in der Abbiegespur an, genieße den Augenblick und rufe "Kinder, hier geht's lang!"
Blahwas schaut etwas verdutzt, dreht um, und fährt aus Protest gegen diese ungewöhnliche Verkehrsführung über beide Verkehrsinseln der Kreuzung.