Do 2.5. Breno - Como
Was ich alles nicht dabei habe: Pinlock-Scheibe, Gehörschutz
Heute ist der erklärte Regentag. Ich wollte auf dem Weg zum Comer See nach Westen zunächst einen Schlenker nach Osten fahren, um noch mehr Passknackerunkte einzusammeln, bei denen ich zuvor noch nie war. Aufgrund der erstaunlichen Länge der Tour und wegen des schlechten Wetters werfe ich diesen Schlenker raus und erhalte eine Restfahrzeit von 5 Stunden. Das sollte doch auch bei Regen möglich sein.
Zunächst gibt’s Frühstück, nicht in der Jugendherberge, sondern in einem Partner-Hotel, 10 Minuten Fußweg. Das ist nicht ideal, aber für 40 Euro kann man echt nicht meckern. Das Buffet ist bezahlt und ich nehme mit, was ich tragen kann – das reicht dann den restlichen Tag. Auch wenn ich sicherlich Zeit zum Einkehren hätte. Am Rückweg kann ich gleich noch Wasser für den Tag einkaufen. Noch tröpfelt es nur leicht, aber ich starte lieber gleich in Regenkombi. Das erste Ziel heute ist der Punkt Lozio. Das ist ein verschlafener Ort am 1090 Meter am Berg, der sich hinter 25 Minuten Serpentinen und sonstigen Kurven versteckt.

Von hier könnte man ein Stück Schotter nach Osten weiterfahren zu einem XXX- (Schotter-) Passknacker, aber ich will's ja heute kurz halten, und im Regen brauche ich das wirklich nicht. Zumal mein Visier beschlägt. Es wird auch den ganzen Tag nicht mehr auftauen. Also wieder runter und westwärts. Nach etwas Bundesstraßengebratze erreiche ich den Abzweig, und nach einigen Kehren den Colli di San Fermo. Hier möchte eine Kirche fotografiert werden. Es gibt zusätzlich noch einen kurze Sackgasse weiter hoch den Berg, die ebenfalls dokumentiert werden möchte.

Der nächste Punkt liegt wieder einiges an Bundesstraße entfernt, und freundlicherweise lässt der Regen nach. Angekommen am Passo die Zambla habe ich aber große Probleme mit meinem Handy. Der Touchscreen mag mich nicht mehr. Das hatte ich vor ein paar Tagen schon, da hat ein Neustart geholfen. So auch heute wieder. Und weiter geht’s! Am nächsten Fotopunkt ist das Handy aber noch launischer, es lässt sich auch nicht mehr neu starten, weil der Touchscreen genau an der Stelle streikt. Langes Drücken aller Tasten hilft zwar, aber so weiterfahren bringt's nicht. Ich hole also mein Ersatz-Handy aus dem Topcase und montiere es an den Lenker. In weiser Voraussicht habe ich die Software nahezu auf den gleichen Stand gebracht. Als SIM-Karte dient eine kostenlose 200 MB-Netzclub-Karte. Nachteil: Das alte Handy lädt nur per Kabel statt induktiv. Beim ersten Wasserspritzer in der Nähe des Steckers wird es mit „Feuchtigkeit erkannt“ nicht mehr laden und 60 Minuten später ist dann der Akku leer.
So geht's adäquat weiter mit einer leichten Navigationspanne an einer unübersichtlichen, mehrspurigen Kreuzung mit mehreren Ebenen. In der Nähe des Comer Sees steigt die Verkehrsdichte deutlich an. Am Colma (Sormano) möchte ein Teleskop fotografiert werden.

Das Motorrad möchte eine Pause, bzw. Sprit. Da gehe ich gern mit, es regnet eh gerade sehr stark. Das Regenradar sagt: Ich bin mitten in einer breiten Regenfront. Abwarten würde 1,5h dauern. Die restliche Strecke dauert 45 Minuten. Beides zusammen wäre dann 18 Uhr am Hotel. Das ist mir zu spät, also geht’s nach einem Snack weiter. Das fahren mit beschlagenem bzw. offenem Visier ist wirklich anstrengend. Es hat inzwischen nur noch 8 Grad und ich verfluche, dass ich die Heizjacke daheim gelassen habe. So langsam findet das Wasser auch den Weg in alle Ritzen und nach der letzten Pipi-Pause komme ich nicht mehr in den durchnässten Handschuh rein. 5 Minuten vor dem Ziel ist das ok. Der letzte Punkt ist freundlicherweise direkt im Ort wo mein Hotel liegt, jedoch 1 km dahinter.

16:15 bin ich schließlich am Hotel und vergewissere mich, dass die Rezeption besetzt ist, bevor ich meine 7 Sachen ablade. Nass reingehen ist mir immer unangenehm, aber es gibt leider überhaupt keine geeignete Abstellfläche für mein nasses Zeug. Auch im Zimmer ist kein Haken an der Tür, kein Dach überm Balkon oder auch nur ein Tisch, unter den man die Stiefel stellen kann. Dafür ist der WC-Rollen-Halter quasi in der Duschkabine. In letztere gehe ich jetzt rein, um mich aufzuwärmen. Danach krieche ich unter die Decke, kuschle mit dem warmen Laptop und verfluche die moderne Smartphone-Navigations-Technik. Ich lade das fragwürdige neue Handy gerade am Kabel, der eine Streifen am Display ist weg und der Touchscreen lässt sich auch wieder bedienen. Vielleicht heilt es sich ja durch Trocknung? Dafür erscheint ein weißer Streifen, der beim laden grün pulsiert.

Route heute 260 km:

Die reine Erholung war das heute nicht. Motorradfahren macht ohne Regen definitiv mehr Spaß. Morgen geht’s nach Süden, und dann ist Regen Geschichte. Eines von beiden Handies wird ja wohl funktionieren.








