Norwegen besteuert die Verbrenner extrem. Ein Golf kostet ungefähr soviel wie ein Tesla mit 100KWh Akku und Dualmotor. Aber das alleine würde es nicht rausreisen.
Norwegen hat auf der Fläche von Deutschland 5 Millionen Einwohner. Dort fährt man nicht durchs halbe Land, dort fliegt man. Gfahren wird nur auf Kurzstrecken bis zu 100km. Den da erreicht man schon 90% der Bevölkerung, die fast alle im Süden des Landes wohnen. In Norwegen ist die Energie aus Wasserkraft seit ewigen Zeiten und die nehmen Strom zum heizen, auch schon ewig und immer noch. Das Öl das sie fördern geht komplett in den Export, das Unternehmen ist 100% Staatlich. Die Gewinne gehen zb in Rücklagen für den Staat, aber auch in das Krankensystem. Die zahlen quasi keine Krankenkassenbeiträge und nur sehr wenige Steuern, da der Staat keine Schulden hat.
Das macht Elektroautos extrem vorteilhaft. Lange Strecken fliegt man, mietet sich dann vor Ort das Auto. Dort stehen an jedem Flughafen Unmengen an Leihautos. Und das auch noch sehr günstig, weil sie hohe Auslastung haben. Das war aber schon in den 80er und 90er so. Ich hatte dort die eine oder andere Baustelle, genauso in Schweden drüben.
Norwegen hat also genau das Einsatzprofil das bei Elektroautos alle Vorteile rausholt. Und mit dem Beschluss, kein Öl selbst zu verwenden, sondern alles zu verkaufen, um das Land modern zu machen, konnte Norwegen zb die Ladeinfrastruktur aus dem Boden stampfen, quasi aus der Portokasse. Den das Hochleistungsstromnetz hatten die ja schon, um ihre Heizungen zu betreiben. Im Vergleich zur Heizenergie ist der Strombedarf von Elektroautos ca 1/4 in einem Land. Dort hat jeder Hausanschluss 50A oder 63A Drehstrom, mit Reserve für bis zu 100A. Die können an jedem Haus einfach die 35A für eine Wallbox dazu buchen. Bei uns haben Wohnungen 35A Drehstrom, wenn überhaupt.
Auch im Transportwesen benötigt Norwegen nahezu keine LKWs. Norwegen kannst mit einer Bahnlinie mit Sprinter vor Ort bedienen. Und im Norden des Landes hat zwar jedes Haus seine Stromleitung, aber die nächste Tankstelle war 50-100km weg. Die Leute hatten in jedem dieser Ansiedlungen ein Dutzend Spritkanister für die Versorgung, die man einmal monatlich gefüllt hat.
Diese vielen kleinen Dinge haben dazu geführt, das Norwegen viel Elektroautos hat. Keine 98%, sondern 98% Neuverkäufe. Aber der Bestand an Verbrenner nimmt folglich ab. Norwegen hat auch nicht sehr viel Industrie. Sie haben Fischerei, Forstwirtschaft, Öl Raffinerien für den Export, Tourismus und verarbeitende Gewerbe mit geringem Energiebedarf. Also keine Schwerindustrie zur Metallgewinnung. Ich meine sogar gelesen zu haben(aber da bin ich nicht ganz sicher und finde gerade nichts drüber), das sie den Abbau von Erzen eingestellt haben. Nur Schweden auf der anderen Seite des Gebirge fördert noch. Dafür haben sich ganz schnell und dank guter Rahmenbedingungen, Technologieunternehmen angesiedelt die HGÜ Anlagen entwickeln und bauen, Offshore Windenergie, Wasserstoff und Speichertechnologien. zb Akku, aber auch Pressluft in Kavernen und Pumpspeicher.
Wir haben all das nicht. Stromnetz bei weitem nicht so leistungsstark. 84 Millionen Bewohner auf der selben Fläche und keine 2,5 Millionen PKW sondern 50 Millionen. Ich hoffe das die meisten bis hier hin gelesen haben und sich die Mühe machen meine Argumente nachzuprüfen, ob vieleicht Fakenews oder Geflunker dabei ist. Und sich dann mal Gedanken machen, wie wir norwegische Verhältnisse hier in Deutschland hinbekommen , um die selben Rahmenbedingungen zu schaffen, die in Norwegen das Elektroauto etabliert haben. Daher möchte ich bitten, bis zur Lösung dieser Probleme nicht immer Norwegen als Masstab herzunehmen. Sonst müsste man ja auch Monaco als Masstab für unsere Mieten und Löhne nehmen.