Mi 15.5. Bummelige Überfahrt
Heute habe ich zur Abwechselung mal zu wenig zu tun. 14:30 legt die Fähre ab, 13:30 muss ich spätestens dort sein. Vom Hotel sind es 15 Minuten zu fahren. Frühstück gibt’s ab 7. Alle Pässe sind schon geknackt. Nur die Schotterpässe nicht, aber die sind zu weit weg bzw. zu schwer. Tja, was macht man da mit der überschüssigen Zeit? Sich im Museum inspirieren lassen? Einen Bandenkrieg zwischen lokalen Bikerclubs anzetteln? Sich bei der Thai Massage gründlich einölen lassen? Nein, nichts davon – dafür ist dann wieder nicht genug Zeit, und einiges davon würde die Klamotten versauen. Weil ich sonst nichts kann muss ich also leider wieder Motorrad fahren. Ich packe sehr gemütlich ein und verlasse erst gegen 10 Uhr das Hotel. Jetzt kann ich meine neue Handyhalterung testen und siehe, es lädt drahtlos und damit hoffentlich auch wetterfest!
Dann fahre ich zum zweiten Pass, den ich auf der Insel überhaupt erfahren habe, weil's da so schön war. OSMand findet auch einen neuen Weg dorthin, der mir gut gefällt.

Tipp: Wenn man keinen Porsche verfolgt, sieht man auch mehr von der Landschaft. Dies ist der südliche Weg zum Bocca di San Stefanu / Col de Saint Stefano. Ach, außer Motorrad fahren kann ich auch essen und trinken! Also im Google Maps „Thai Restaurant“ gehackt und ein Strandrestaurant entdeckt, knapp außerhalb von Bastia. Da könnte ich Zeit totschlagen. Ich bin gegen 11 der erste Gast, aber es ist viel Personal da. Ich schnabuliere eine Cola und ab 12 darf ich dann auch Essen bestellen. Naja. Wok nach Thai Art, reden wir lieber nicht drüber, aber reichlich satt macht es. Das ist gut, denn Abendessen könnte schwierig werden, aber dazu später mehr. Grob 12:30 gibt’s dann noch einen vollen Tank, und ab zur Fähre. Warten.

Ist euch mal aufgefallen, wie klein die Rettungsboote im Vergleich zum restlichen Schiff sind? Egal, rein in den Pott! Ich habe eine gewisse Schadenfreude beim Beobachten der Versuche der vollverkofferten Reiseenduros, nah an der Wand zu parken. Zu wenig Platz für Seitenständer oder zum Absteigen, vor oder zurück geht auch nicht. Die Fähre legt sogar 10 Minuten zu früh ab und schon geht's los auf 4,5 Stunden Überfahrt. Fun Fact: Livorno ist deutlich nördlicher als Bastia, eigentlich fährt die Fähre unnötig lang, wenn es eine Verbindung zu einem Hafen weiter südlich gäbe, z.B. Piombino. Zum Zeittotschlagen habe ich Podcasts und auch Netflix auf dem Handy. Eine Konversation mit anderen Mitmotorradfahrern kommt nicht so recht zustande. Manche Gruppen definieren sich eben auch darüber, wer nicht dazu gehört. Eine ereignislose Überfährt später wieder allgemeine Hektik beim Aufrödeln an den Motorrädern, denn wer 17 Taschen hat, braucht halt auch länger. Bald bin ich im Hafengebiet, das beeindruckend groß und verwinkelt ist, und ohne weitere Kontrollen geht’s auf die Autobahn.
Jetzt kommt der hektische Teil! 20:45 ist Sonnenuntergang, es ist 19:45, es sind 30 Minuten direkt zum Hotel. Aber ich habe eine Mission: Passknacker Lebenswerk pflegen! Da wäre ein Punkt 45 Minuten von hier. Ist zwar die falsche Richtung, aber hey. Los geht’s! Zum Glück ist schon kein Berufsverkehr mehr. Autobahn, Kleinstädte, Kreisstraßen, Gewerbegebiete, Dörfer. Alles ohne Ampeln. Das Navi staunt, die Ankunftszeit ändert sich, und bald habe ich den Pass vor mir: Es geht aus der sehr platten Ebene einen deutlichen Berg hoch, auf dem diverse Antennen stehen. Der Straßenzustand ist ziemlich gut, also für italienische Verhältnisse. Die Schatten werden lange und außer mir ist hier nur ein Radfahrer unterwegs. 7 km Kurvenstrecke zum Ziel, ich sehe meinen Schatten an der Böschung und vor mir. Nicht völlig unproblematisch, aber schönes Gefühl. Das Nachweismotiv ist „kleines weißes Passschild“, das ich nicht finde, oder das Restaurant.

Typisch Passknacker Italien, natürlich mit Mülltonnen. So, jetzt aber flott ins Hotel! Navi droht 21 Uhr an. Ich fahre ja nicht gern in der Dämmerung, wegen möglicher Wildunfälle. Die Route führt aber komplett durch zersiedeltes Gebiet, da wird mit Wild nicht viel los sein. Genial an Italien (und vielen anderen Ländern) ist, wie gut man ohne Ampeln vorwärts kommt. So bin ich schließlich überpünktlich am Hotel. Ich sehe zwar meinen Lichtkegel, aber die Sonne schlüpft gerade erst hinter die Berge. Idyllisch hier, in La Badie, im „Anwesen der Wölfin“.

Der Wirt hat auf mich gewartet, er ist freundlich, er spricht gern Englisch mit mir. Das Restaurant hat schon zu, aber ich bin tatsächlich noch einigermaßen satt vom reichlichen Mittagessen und zwei Snacks auf der Fähre. Wobei 'ne Tüte Chips jetzt schon echt charmant wäre, aber dafür fahre ich nicht nochmal los. Und nach einem reichhaltigen Abendessen würde ich das wohl auch denken. Aber kaum lässt das Adrenalin nach, kommt die Müdigkeit.

265 km heute, davon die Hälfte Fähre, und 1 Passknacker. Angesichts von Profilschwund am Hinterreifen und Wettervorhersage muss ich eine Entscheidung treffen für den restlichen Heimweg. Ich werde noch mindestens 1x in Italien übernachten, und mich dann aber wohl vorzeitig auf den Heimweg machen. Korsika war richtig richtig toll, da kommt jetzt eh nichts mehr ran.































































































