Aber meine mit Abstand dämlichste Story habe ich im Jahr 2007 abgeliefert.
Sie hat es später sogar in eine Fuel Ausgabe unter der Rubrik "shame on me" geschafft:
Frühjahr 2007, Am Vortag zur Abfahrt in die jährliche Dolomiten-Tour schaut ein Freund vorbei, der zu der Zeit für eine Moped-Zeitschrift arbeitete und deshalb stets das Neuste vom Neuen am Start hatte.
Wir quatschen bei bisschen Benzin, und zum Abschied legt er mir noch eine Plastikhülle auf die Werkbank. „Hier, der gerade heißeste Scheiß bei Helmen: Pinlock Visier! Verhindert das Beschlagen, probiere es mal aus“ sagt er.
„Danke“ sage ich und werfe die Tüte unbeachtet in die Gepäckrolle.
Szenenwechsel:
sieben Tage später in der Westauffahrt zum Passo Tre Croci. Im Tal noch 20 Grad, schlägt das Wetter urplötzlich um. Der Himmel wird schwarz und die Temperatur fällt innerhalb weniger Minuten gegen null.
Ein fettes Gewitter hängt in den Berggipfeln und macht meine Fahrt zur Herausforderung. Starker Regen und kalte Luft lassen mein Visier (noch ohne Pinlock) so stark beschlagen, dass ich anhalten muss um es zu reinigen, was bei diesen Bedingungen natürlich zum Scheitern verurteilt ist.
Also im Blingflug mit halb geöffnetem Visier weiter den Berg rauf. Ich will ja meinen Mitfahrer nicht verlieren, der gerade noch vor mir war.
In Sekunden wird aus Regen Hagel und aus Wind Sturm.
So verpasse ich den vereinbarten Abzweig nach Cortina und fahre weiter geradeaus am Lago Misurina vorbei. Denn dort sehen ich blauen Himmel. Kaum bin ich über die Kuppe, kommt auch schon die Sonne wieder heraus. Nur mein Kumpel fehlt. Also warte ich unten im Tal.
Nach ca. 15 Minuten kommt er wie ein begossener Pudel den Berg herunter. Er hat ein paar Meter hinter dem Abzweig auf mich gewartet und so die entscheidenden Minuten zu lange auf dem Berg verweilt. (Er behauptet bis heute, dass am Ende ein Bach durch seine Felgen geflossen sei) Aus seiner vollverkleideten Doppel X läuft das Wasser aus allen Ritzen, ebenso wie aus allen Öffnungen seiner Kombi.
Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen.
Durchaus beeindruck von diesem Vorfall fällt mir am nächsten Morgen das sagenumwobene Pinlock Visier wieder ein, das die ganze Zeit unbenutzt in meiner Tasche rumfliegt. Ohne weiter nachzulesen, montiere ich es. Jetzt weiß ich auch, wofür diese komischen kleinen Plastiknippel in meinem Visier da sind. Das ist ja kinderleicht!
Passend zur Stimmung ist es ein grauer Tag und wir machen uns auf die gut 800km lange Rückfahrt in die Heimat.
Das mit dem Nichtbeschlagen funktioniert ja ganz gut, aber die Sicht ist vielleicht scheiße! Alles irgendwie verschwommen und milchig. Das erscheint mir nicht ausgereift. „Neumodischer Quatsch“ denke ich auf der langweiligen Fahrt über endlose BABs.
Am Abend kurz vor der Ankunft steht die Sonne tief und ich halte entnervt an.
„Ich sehe hier gar nix mehr mit dem blöden Ding“ schimpfe ich und will gerade auf mein Ersatzvisier umrüsten. Da fällt mir ein kleiner Plastikfissel am Pinlock auf.
Nee, komm – echt jetzt? Das Ding hat eine Schutzfolie?!
Oh shit, ich bin 10 Stunden und 750 km weit damit gefahren, ohne es zu schnallen. Jetzt ist es mein Kumpel, der Tränen lacht.