Fr 13.9. Dolomitenrunde mit Renate
Zu jedem Höhentreffen gehört für mich eine Dolomitenrunde. Andere verbringen in den Dolomiten eine ganze Woche, ich mache das an einem Tag. Dazu werfe ich mich morgens auf die Autobahn und klappere eilig und am besten alleine alles ab, was sich irgendwie auf eine Route zwingen lässt. Heute kommt aber Renate mit, der es sonst nicht schnell genug geht.
Ins Tal runter überholen wir eine S1000RR aus München, die ich glaube ich schon in unserer Hotelgarage gesehen habe. Dann folgt Autobahn, und dann die Mautstation an der Ausfahrt. Leider wird dort keine EC/Maestro/VPay/Wieauchimmerdasjetztschonwiederheißt-Karte akzeptiert, sondern nur VISA und Bargeld. Ich zahle mit VISA, aber Renate probiert es mit der deutschen Bankkarte. Ich kann leider nicht helfen, weil die Polizei direkt dahinter steht, und dahinter stehen LKW in 2er Reihe. Also warte und warte ich. Renate erhält derweil Hilfe vom Personal, u.a. muss ihr 20 Euro-Schein geglättet werden. Danach gibt es 16,80 Euro Wechselgeld in Münzen, und ab geht’s in die Berge!
Die Hauptwege in den Dolomiten sind leider voller Verkehr und Überholverbote. Ein Bauarbeiter droht mir mit der Schaufel, als er meint, mich beim verbotenen überholen gehört zu haben. Tsts! Auf der Hochebene wird getankt, das reicht dann hoffentlich bis zum Ende.
Die Strecken selbst sind wunderschön, aber da sind immer diese anderen Leute. Leider gibt es auch bei Motorradfahrern den Typ "Ich bin zwar langsamer als Du, aber VOR dir, und ich lasse dich nicht vorbei!". Gut, dass ich statt 64 PS jetzt 115 dabeihabe und mich von fetten Harleys oder BMW K1300S "Bayerbusa" nicht lange aufhalten lassen muss. Weniger schön dagegen ist der Schwund an Baumbestand.
Die Passknackerpunkte wandern in den Köcher, und Renate braucht erfreulich wenig Pausen. Eigentlich brauche eher ich die Pausen. Eine Mittagspause machen wir dann erst bei der Ochsenhütte am Nigerpass.
Da gibt es einen geschotterten Parkplatz, wo Autos stehen, und ich stelle mich halt dazu. Danach fällt mir erst auf, dass es reichlich steil ist, Renate hat ja nicht allerlängsten Beine. Es klappt aber. Später erscheint eine andere Gruppe deutscher Motorradfahrer. Beim Verlassen der Location sehe ich ihre Motorräder nicht - die stehen erst ganz unten, an der Straße. Alle Kennzeichen Essen (wie ich) und Ennepetal (wie der angrenzende Kreis). Grüße in den Ruhrpott!
Besonders schön wird‘s wieder am Rollepass, da rasten wir wieder, und zufällig treffen wir auf Markus/Duck, der heute alleine auf Fototour ist. Fotografieren geht hier natürlich auch toll.
Der Passo Ghobbera ist wegen einer Rally leider gesperrt, aber der Brocon ist offen. Eine Gruppe K1600-Fahrer behindert den Verkehr leider schon im Tal, aber da kommt man noch gut vorbei. Fahrt doch lieber Cabrio. Oder Bus. Oder Kreuzfahrtschiff. Oder einfach mal Platz machen, kostet ja nix. Der Brocon ist wieder schön.
Und mit der richtigen Linie braucht man auch keine Angst vor Gegenverkehr zu haben, den man hier eigentlich immer hat.
Jenseits des Brocon will ich zum Cima di Campo und Forte Leone, aber meine beiden Navis finden keinen Weg dorthin. OSM zeigt mir den rechten Weg - die Straße gibt es einfach nicht auf meinen beiden Navis. Vielleicht ist sie zu neu. Man hat hier weitgehend seine Ruhe.
Bei einer Rast passiert uns eine Viergruppe Dänen, alle winken, drei davon auf MT-09, und alle auf dem Hinterrad. Okay? Was ist denn hier los? Ist das der geheime MT-09-Gruß?
Der Schotterweg zum Forte Leone hoch ist noch harmloser, als ich ihn in Erinnerung hatte - besser als viele Parkplätze. Renate bummelt etwas und flucht über Kuhscheiße auf dem Hinterrad, ist oben aber umso stolzer. Ein toller Punkt hier! Das Fort selbst ist geschlossen, wird aber aktuell bearbeitet, um in Zukunft zugänglich zu sein. Es gehört zur gleichen Verteidigungslinie wie das Fort, das wir am Sonntag besucht haben.
Zurück geht es jetzt auf schnellstem Weg. An der Schnellstraße gibt es noch Sprit, die Yamaha hat Durst, und dann den Kaiserjäger hoch. Da laufe ich auf ein Auto auf, das seinerseits an einem Lieferwagen nicht vorbei kommt. Als der Lieferwagen in einer Linkskehre zurücksetzen muss, erkenne ich meine Chance, hupe kurz und gehe innen durch. So eine Gelegenheit bietet sich so schnell nicht wieder! Leider fehlt von Renate danach jede Spur, und auch sonst kommt keiner mehr von unten hoch, als ich warte. Oha! Besser umdrehen. Sie kommt mir bald entgegen und dreht an ihrem linken Spiegel rum. Diagnose: Sie ist umgefallen, weil sie im entscheidenden Moment Angst vorm Lieferwagen bekommen und gezögert hat. Dann stand sie, und dann war zu wenig Straße unterm Bein. Innen in der Kehre ist es sehr uneben. Leistungsabruf und/oder Hupe hätte geholfen. Sie hat sich nichts getan, aber ihre Z hat Kampfspuren am Motordeckel (trotz Sturzpads), Lenkerendgewinde, Spiegel, und der Kupplungshebel ist an der Sollbruchstelle verkürzt worden. Da wurde am letzten Fahrtag also schnell noch etwas Schrott produziert, aber keine Verletzungen. War ja auch Freitag der 13.
Zurück am Hotel wird der letzte Abend des Treffens ausreichend gewürdigt, auch wenn von 16 Teilnehmern nur noch 10 da sind. Durchgehende Anwesenheit ist ja keine Pflicht. Alle sind zufrieden, auch die Erstbesucher. Auch Markus als BMW-Alien fühlt sich wohl. Morgen reise ich mit ihm weiter.