Di 8.3.22 Zielland erreicht
Gestern Abend gab's im Restaurant noch eine heiße Suppe für mich, und dazu Kartoffelbrei. Der Koch hat extra für mich gekocht, denn ich war der einzige Gast. Leider war nach dem Abendessen die Heizung am Zimmer aus, und so näherte sich das Zimmer samt allen Inhalts über Nacht der Außentemperatur an. Ich finde noch eine warme Decke und verbarrikadiere mich im Bett. Wärmeflasche geht auch nicht, denn das Warmwasser ist ebenfalls kalt. Brrr. Mir ist echt langsam kalt genug.
Am nächsten Morgen ist es noch immer kalt, die Extradecke hat sich über Nacht vom Bett verflüchtigt. Da muss dann die Heizweste ran, und ich überlege, wie ich meine Motorradsachen warm bekomme. Bei draußen 2° will ich nicht im Gefrierbeutel gegen den Fahrtwind antreten. Am Ende sitze ich in Motorradkluft unter der Bettdecke und frühstücke die Schokoröllchen. Danach hüpfe danach solange Pogo durchs Zimmer, bis mir warm und/oder schwindelig wird. Bloß weg hier.
Auf dem Motorrad war mir dann zum Glück warm. Das Motorrad springt auch freiwillig an - ich hatte etwas Bammel, dass die Batterie die Tiefentladung nicht gut weggesteckt hat. Auch die Lage an der Warnlampenfront ist unverändert. Allerdings ruckt die Kette schon wieder. Seufz. Na, vielleicht kann ich nächste Woche Kette und Reifen gleichzeitig wechseln lassen, dann brauche ich am Heimweg nicht sparsam zu sein.
Heute steht der Grenzübertritt nach Portugal an. Ab jetzt fahre ich an keinem Passknackerpunkt mehr vorbei, sondern sammle alle ein! Das sollten den Fahrspaß pro Kilometer drastisch erhöhen. Auch die Temperaturen gehen jetzt nach oben, ab morgen ist jeden Tag 10-20 Grad angesagt. So geht es optimistisch ans Werk.
Der erste Passknacker wandert ohne besondere Ereignisse in den Köcher. Auf dem Weg zum nächsten Punkt, Los Lobos, 1499 Meter, steht eins von diesen "Pass offen/geschlossen" Schildern. Es steht auf gelb: Aufpassen. Okay. Dann kommt mir ein Räumfahrzeug entgegen, und der Fahrer winkt wie verrückt. Ich halte daneben und verstehe so halbwegs, dass die letzten 2 km wohl Schnee liegt. Au weia. Naja, dann schauen wir uns das mal an. Eine Katastrophe wäre es nicht, wenn es nicht kappt, denn ich bin ja noch in Spanien.
Es wird nach oben kälter, es liegt immer mehr Schnee neben der Fahrbahn, das Thermometer sinkt auf 0 Grad, aber die Straße ist frei abgesehen von 4 Rehen und einem Fuchs, und ich komme einwandfrei zum Passschild. Check.
Jetzt gibt es noch einen Abstecher nach oben, zu einem Aussichtspunkt. Der ist 2 Kilometer lang. Aha, ich erinnere mich an die 2 km vom Winterdienstfahrer! Es geht also zum "Francia, Santuario de la Peña", auf 1699 Meter hoch. Hier ist schon alles weiß und grau und ich fahre auch im Nebel rum, unterstützt vom Nebel am Helmvisier. Es liegt hier und da Schneematsch, der lässt sich aber umfahren, ist nicht gefroren und auch nicht sonderlich tief. Einfach vorsichtig fahren, dann klappt das schon.
Und sich nicht fragen, was man hier eigentlich gerade macht und wie man das irgendwem erklären würde, wenn's schief geht. Immerhin hat mich der Winterdienst vorhin gesehen, der würde mich spätestens morgen früh finden. Nicht grübeln, Foto machen!
Und weiter geht's, zurück zum Los Lobos, auf die Westseite. Das ist ja an sich die Schattenseite, also rechne ich mit dem schlimmsten. An zwei Stellen sind Schneeverwehungen, aber nur ein paar Meter lang und es ist bereits ein Auto drüber gefahren. Gut, dass der CRA3 auch als Winterreifen taugt. Danach ist es weiterhin neblig und schattig, aber die Straße verliert schnell an Höhe und es wird wärmer. Da kommt auch Fahrspaß auf, denn hier ist niemand sonst. MT-09 fahren auf einsamen Bergpässen rockt einfach.
Jetzt geht es die Sierra entlang auf überwiegend breiten und guten Straßen. 5. und 6. Gang dominieren das Geschehen. Fahrfreude kommt auf - denn dafür bin ich doch hier! Irgendwann will mein Navi links. Hmm. Die Straße sieht suspekt aus. Es stand aber ein Wegweiser an der Kreuzung, und die Straße hat sogar eine Nummer.
Da schaue ich mal lieber im Navi und in OSM nach: Ja, das lohnt sich, und nein, das wird nicht schlimmer. Na gut, 8 Kilometer sind trotzdem recht lang, wenn man auf besonders tiefe Schlaglöcher und eine stellenweise lose Deckschicht achten muss. Umso mehr Spaß macht danach wieder die Hauptstraße. Die ist wirklich vorzüglich zu fahren und hat alles, was das Motorradfahrerherz begeht. Wie schon letztes Mal in Spanien kommt der Eindruck auf, in einer Simulation unterwegs zu sein. Alle paar Kilometer kommt noch ein Extra dazu. Z.B. ein Stausee, ein motivierter Einheimischer, Dörfer und Burgen am Hang, idyllische Hänge, diese historische Brücke in der Nähe der Stadt Alcantara...
... es wird einfach immer besser. Irgendwann habe ich auch nahezu Rundumaussicht am Passknacker.
Dann geht es eine Weile sehr zügig, aber immer kurvig an der Grenze entlang. Ich fasse noch Sprit und weil eine Waschbox daneben ist, darf der Schmodder von der schlechten Wegstrecke und das Salz der letzten Tage auch gleich runter. Und dann bin ich auch schon in Portugal.
Hier ist die Landschaft und der Straßenbau zunächst ebenso nett.
Dann wird alles etwas gerade, und Richtung Süden geht's für mich dann über Bundesstraßen. Hier machen die Autofahrer sehr nett Platz. Die Spritpreise sind hier eher 2,00 Euro statt 1,75, darum hat es niemand sonderlich eilig. Das Thermometer zeigt sagenhafte 16 Grad bei bewölktem Himmel. Die nächsten Tage ist besseres Wetter angesagt. Das freut mich wirklich sehr und so lege ich auch die Regenjacke ab. Die befürchteten Regenschauer verpasse ich, oder sie haben sich in Wohlgefallen aufgelöst.
Ich suche mir das Hotel heute etwas südlicher, also weiter, als ursprünglich geplant, damit ich morgen wieder hier übernachten kann. Es wird ein Stadthotel in Beja mit Garage in der Nachbarschaft. Ich spreche original 1 Wort portugiesisch, hatte ab der Eindruck dass man da mit Englisch durchkommt. Im Hotel klappt es, auch wenn ich es selbst unhöflich finde. Ich muss dringend ein paar einfache Sätze lernen.
10 Passknacker und 525 km heute
Rangliste Platz 16 von 78
2498 km nach Hause, 109 km vor Plan
5,6% von Portugal
