Yamaha MT-09 im Test

Yamaha MT-09 – Die heißeste Versuchung mit drei Zylindern

Mit der Yamaha MT-09 zeigt der japanische Hersteller, wie viel Leistung ein Motorrad für rund 7.800 Euro plus Nebenkosten bieten kann. Selbst die Version mit ABS liegt mit knapp 8.300 Euro im erschwinglichen Bereich. Beim Blick ins Datenblatt fallen dabei zwei Merkmale unmittelbar ins Auge. Die MT-09 bringt ganze 115 Pferde auf Trab. Das sind 84,6 kW. Gut, das können andere auch. Aber das Naked Bike aus Iwata lässt die große Pferdeshow in kleiner Arena galoppieren. Inklusive 14 Litern Kraftstoff im Tank bringt die MT-09 nämlich ein Idealgewicht von nur 188 Kilogramm oder 191 Kilogramm mit ABS auf die Waage. Das verspricht Kraftvolles – zwar nicht im Bereich des Sensationellen aber doch des Beeindruckenden. Die Erwartung auf einen hohen Geschossfaktor wird vielmehr durch ein drittes technisches Merkmal geweckt. Mit einem maximalen Drehmoment von 87,5 Nm bei 8.500 U/min steht die MT-09 unzweideutig an der Spitze ihrer Klasse.

Yamaha MT-09 Test – Video

Wer nicht abheben will, beschleunigt im zweiten oder dritten Gang

Ausgestattet ist die flüssigkeitsgekühlte 4-Takt Dreizylinder Maschine mit einem sequentiellen 6-Gang-Getriebe. Freilich werden diejenigen, die vor einem Vorwärts-Schub nach Art des Warp-Antriebes zurückschrecken, nur fünf Gänge wahrnehmen. Gas geben im Ersten führt nämlich fast zwangsläufig zum Wheelisieren, als wollte die MT-09 nicht nach vorne sondern nach oben in die unendlichen Weiten des Weltraums. Da steckt Kawummdich aus 847 Kubikzentimetern hinter. Um die Gasannahme ein wenig aus dem Bereich des Höllischen zu bewegen, stehen drei Fahrmodi zur Verfügung. Neben dem Standard- und dem A-Modus, das steht für „Abgehen, was das Zeug hält“, kann sich der Pilot auch für einen etwas sanfteren B-Modus entscheiden. Sanft ist hier jedoch relativ zu verstehen. Denn auch im vermeintlichen Stadt-Modus ist das Bike getreu dem Hersteller-Motto jederzeit willig, seinen Fahrer die dunkle Seite des Radelns entdecken zu lassen. Ein kleiner Wermutstropfen ist hier jedoch zu entdecken: Leider startet die Maschine nach dem Abschalten immer im Standard-Modus. Das heißt, sie kann sich die letzte Einstellung nicht merken. Dabei ist es doch naheliegend, dass wenn das zweirädrige Gefährt beispielsweise in einem B-Modus-Gebiet zum Stehen kommt, auch die Weiterfahrt nach erneutem Anlassen optimaler Weise in diesem Modus fortgesetzt werden soll.

MT-09 vor der Konkurrenz aus Großbritannien und Italien

Das Stichwort „Dreizylinder“ deutet auch schon an, in welchem Konkurrenzfeld sich die MT-09 positioniert. Hier tritt Japan gegen Großbritannien und Italien an. Namentlich soll der Street Triple 675 von Triumph und MV Agusta Brutale 800 etwas entgegengesetzt werden. Die Brutale ist zwar zehn PS stärker, allerdings in Punkto Drehmoment unterlegen. Außerdem neigt die Italienerin zum Verhalten einer Diva, womit sie sich nur für einen kleinen Interessentenkreis eignet. Der Vergleich mit der Street Triple muss sehr schnell formuliert werden, da sie mit 675 Kubikzentimetern, 106 PS sowie 68 Nm bei 9.200 U/min nicht die Idealmaße der MT-09 aufweist und schon nach kurzem Gasgeben nur noch im Rückspiegel wahrnehmbar ist. Die Endgeschwindigkeit erreicht die Yamaha bei rund 225 km/h und kann bis etwas über 11.000 U/min aufdrehen. Dazu haben es die Japaner verstanden, die böse Seele der MT-09 mit einer harmonischen Laufruhe auszustatten, die keines der beiden Konkurrenzmodelle liefern kann. Tatsächlich glänzen die Drei Zylinder durch ein hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl kombiniert mit Drehfreude sowie tadellos rundem Fahrverhalten bei linearer Kraftentfaltung. So etwas macht süchtig nach Landstraßen und erklärt, warum die MT-09 auf dem zweiten Platz der Verkaufsstatistiken für Motorräder liegt.

Gefälliges Design lässt wenige Rückschlüsse auf die Feuerkraft des Motors zu

In ihrem äußeren Erscheinungsbild gibt sich die Yamaha nicht wirklich gediegen aber auch nicht als aggressiver Kraftprotz, der Zivilisten Schauer über den Rücken laufen lässt. Angesichts des brodelnden Vulkans, denn das Naked Bike in der Lage ist zu entfachen, kann schon fast von einem Design mit Tendenz zur Tiefstapelei gesprochen werden. Der Motor ist eingefasst in einen soliden Aluminium-Druckgussrahmen und der Fahrer nimmt in einer Sitzhöhe von 81,5 Zentimetern Platz. Dies gewährleistet gemeinsam mit dem recht hohen und angenehm breiten Lenker auf der 41 Millimeter starken Upsidedown Gabel eine aufrechte und entspannte Position. Damit kann die MT-09 auch problemlos neben dem Racing auf Landstraßen im Alltag eingesetzt werden. Der Fahrer blickt dabei auf eine voll digitale Instrumententafel, die alle notwendigen Informationen anzeigt. Allein die sehr hohe Monocross-Hinterradaufhängung, bei der eine asymmetrische Aluminium-Druckguss-Schwinge zu Einsatz kommt, verraten die sportlichen Spriteigenschaften. Dieser Eindruck kommt noch besser bei der Rückansicht zur Geltung, bei der der hochgestellte Sozius, das teuflisch ausladende Rücklicht und die breiten Schlappen besonders auffallen.

Hochwertiges Bike mit innovativen Details

Yamaha gibt an, dass der 14-Liter-Tank genug Brennstoff für 250 Kilometer Fahrvergnügen pur liefert. Das kommt sicher nur hin, wenn der Pilot sich nicht zu sehr auf die dunkle Seite Japans einlässt. Bei einem echten Teufelsritt wird gewiss etwas mehr raffiniertes Feuerwasser durch die Einspritzdüsen rinnen. Im Ganzen erhält der Käufer mit der Yamaha MT-09 ein äußerst hochwertiges Spaß-Bike mit Explosiveigenschaften sowie Alltagstauglichkeit. Technisch ist das Motorrad exzellent ausgestattet. Dies gilt für Sicherheitsmerkmale wie die schwimmend gelagerten Zwei-Scheiben-Bremsen mit 298 Millimetern vorne aber auch für innovative Finessen. So war den Ingenieuren bewusst, dass so ein Feger gerne bis zur Grenze in die Schräglage gebracht werden will. Daher ist beispielsweise die Ölwanne so konstruiert, dass Neigungen von über 50 Grad problemlos möglich sind und auch ein Überschwappen ausgeschlossen ist.

Einige Extras machen die MT-09 noch individueller

Für den Kaufpreis kommt ein voll ausgestattetes Motorrad ins Haus beziehungsweise auf die Straße. Dagegen spricht aber nicht, dass die MT-09 sich durch weiteres Zubehör zusätzlich aufwerten lässt. Dazu kann ein Austausch der Auspuffanlage durch ein Modell mit Titan-Schalldämpfer in Frage kommen, eine Sportscheibe zum Schutz gegen Wind, eine Seitenständerverlängerung oder auch verschiedene, speziell für die MT-09 entworfene Taschen- beziehungsweise Hartschalen-Case-Systeme. Selbst mit einer auf die MT-09 zugeschnittenen iPhone-Halterung kann das Naked Bike ausgestattet werden. Die unübertroffenen Fun-Qualitäten des extrem agilen Motors dagegen gehören zur Serienausstattung.